Der Kinder- und Jugendärztliche Bereitschaftsdienst schränkt sein Angebot ein

Bereitschaftsdienst an einem heißen Tag: Dr. Dorothee Münnighoff-Göllner untersucht die 15-jährige Selen Dinc. Der Kinder- und Jugendärztliche Notdienst befindet sich in Räumen der Kinderklinik des Klinikums in der Mönchebergstraße. Foto: Koch

Kassel. Ab heute wird der Kinder- und Jugendärztliche Bereitschaftsdienst freitags erst ab 19 Uhr öffnen. Bislang waren die Kinderärzte bereits ab 15 Uhr im Einsatz, um Kinder zu versorgen.

Gründe seien drastische Honorarkürzungen für die Leistungen der Ärzte und daraus resultierende Personalengpässe.

Der Bereitschaftsdienst in den Räumen der Kinderklinik am Klinikum endet wie bisher um 22 Uhr. Alle anderen Dienstzeiten bleiben zunächst unverändert, sagte der Vorsitzende der Genossenschaft der Kinder- und Jugendärzte, Alfons Fleer. Bislang war der kinderärztliche Bereitschaftsdienst auch am Freitagnachmittag meist stark gefragt. Jährlich werden vom Kindernotdienst 24 000 Kinder behandelt.

Alfons Fleer

Falls ein Kind oder Jugendlicher akut oder unvorhergesehen erkranke, sollte man sich zunächst an den behandelnden Kinderarzt wenden, so Fleer. Rund die Hälfte der Pädiater im Raum Kassel hätte auch am Freitagnachmittag ihre Praxis geöffnet. Sei der Kinderarzt freitags nicht erreichbar, sollte man sich an den allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst in der Wilhelmshöher Allee 67 wenden. Bei schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen sei die Kinderklinik des Klinikums Anlaufstelle.

Prof. Dr. Friedrich K. Tegtmeyer, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum, bittet eindringlich darum, die genannten Ansprechpartner in dieser Reihenfolge aufzusuchen. „Da wir damit rechnen, dass etliche Eltern über den späteren Beginn des Bereitschaftsdienstes am Freitagnachmittag nicht informiert sind, gehen wir zu dieser Zeit von einer höheren Patientenzahl in der Kinderklinik aus und bitten für eventuell längere Wartezeiten um Verständnis.“

Fleer rechnet zudem damit, dass während des Bereitschaftsdienstes am Freitagabend der Ansturm künftig größer sein wird.

Organisiert wird der Bereitschaftsdienst von der Genossenschaft der Kinderärzte in Nordhessen. Bislang beteiligen sich 35 Kinderärzte daran, darunter sechs Rentner und junge Fachärzte auf freiwilliger Basis, die nun nicht mehr zur Verfügung stünden.

Denn Honorare für die Bereitschaftsdienste seien durch eine bundeseinheitliche Abwertung in der kassenärztlichen Gebührenordnung drastisch gesenkt worden: um durchschnittlich 30 Prozent, für Leistungen werktags bis 19 Uhr sogar um 51 Prozent. Bei insgesamt gestiegenen Kosten sei unter diesen Bedingungen ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich. Für die freitägliche Einschränkung habe man sich entschieden, um den Bereitschaftsdienst insgesamt zu sichern, erläutert Fleer.

Da der Altersdurchschnitt der Kinderärzte bei 55 Jahren liege und es heute schwer sei, Praxisnachfolger zu finden, werde es künftig noch schwieriger sein, Ärzte für die Bereitschaftsdienste zu finden. So verhandele man mit der Kassenärztlichen Vereinigung, dass auch Kinderärzte aus Wolfhagen, Hofgeismar und Fritzlar hinzugezogen werden können.

Hintergrund

Der Kinder- und Jugendärztliche Bereitschaftsdienst in den Räumen der Kinderklinik am Klinikum Kassel, Mönchebergstraße 41-43 (Haupteingang Klinikum), ist zu diesen Zeiten bei akuten gesundheitlichen Problemen zu erreichen:

• Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 19 bis 22 Uhr

• Mittwoch 15 bis 22 Uhr

• Samstag, Sonntag und Feiertag 9 bis 22 Uhr,

Tel. 0561/9 88 66 90.

Eine telefonische Anmeldung zu den Sprechzeiten ist nicht notwendig.

Trotz der verkürzten Dienstzeit am Freitag sei die Versorgung in Kassel nach wie vor beispielhaft und umfangreich, betont der Vorsitzende der Genosseschaft der Kinder- und Jugendärzte, Alfons Fleer. Im Vergleich zu anderen hessischen Städten habe Kassel die zeitlich umfangreichste Versorgung.

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