1050 Pfeifen: Hoofer Vogt-Orgel wächst in der Kirche

+
Auf der Orgelempore: Dietmar Ullmann von der Orgelbaufirma Waltershausen stellt eine große Holzpfeife an ihren Platz. Zwei bis drei Wochen dauert der Aufbau der Vogt-Orgel in der Hoofer Kirche. Im Untergeschoss warten weitere große und kleine, alte und neue Orgelpfeifen auf ihren Einbau.

Schauenburg. Dietmar Ullmann nimmt eine der ihn überragenden Holzpfeifen und setzt sie links außen auf der Empore an ihren Platz. Drückt der Organist künftig die richtige Taste auf seinem Spieltisch, strömt Luft durch ein Bleirohr und mehrere Ventile hoch in die Pfeife und erzeugt einen Ton.

Stück für Stück bauen Ullmann und seine Kollegen von der Orgelbaufirma Waltershausen die insgesamt 1050 Pfeifen und unendlich viele Einzelteile auf der Empore der Hoofer Kirche wieder zu einem Instrument zusammen. Dort war die vom Korbacher Eduard Vogt vor genau hundert Jahren gefertigte Orgel vor knapp einem Jahr ausgebaut worden.

„Hier oben war alles weg“

Am 29. September soll die für 165 000 Euro restaurierte Orgel erstmals wieder das Gotteshaus mit Klang erfüllen. „Hier oben war alles weg“, sagt Ullmann. In zwei bis drei Wochen soll das Pfeifenwerk den Platz im Glockenturm wieder komplett füllen. „Alles ist aufgearbeitet worden“, sagt der Experte zu der umfangreichen Arbeit in den Räumen der thüringischen Firma. Gut ein halbes Jahr wurde dort an der Hoofer Orgel gearbeitet, für deren Restaurierung die Kirchengemeinde und engagierte Bürger gut 70 000 Euro gesammelt hatten.

Ziel war es, das Instrument möglichst weit in den Originalzustand zu versetzen. In den 60er-Jahren war die Orgel nämlich von damals rein pneumatischem Betrieb in einen elektrischen umgebaut worden. Das sei nun zurückgebaut worden, erläutert Ullmann. „Wir haben jetzt einen neuen Spieltisch mit Pneumatik.“

Zwei Tage brauchen die Mitarbeiter allein, um die Windanlage in dem Kirchenraum zu installieren. Danach werden die Pfeifen aufgestellt. Über silbern glänzende Bleirohre werden diese dann mit Luft versorgt. Nach dem Aufbau komme ein Experte der Orgelbaufirma, der die Intonation vornehme, erläutert Dietmar Ullmann. Das heißt, die Pfeifen werden so eingestellt, dass sie auch genau die gewünschten Töne erzeugen und die Orgel gut klingt. Allein diese Abstimmung dauert einen gesamten Monat.

Bilder des Zusammenbaus

Zusammenbau der Hoofer Vogt-Orgel

„Wir sind stolz auf uns“, sagt Udo Urbanek vom Kirchenvorstand. Viele Stunden haben die Mitglieder des Gremiums nämlich für das Vorhaben geopfert. Tatkräftig haben sie beispielsweise bei der parallel laufen Kirchenrenovierung mitgearbeitet. Unter anderem, so erläutert Architekt Christian Abendroth, sei in Eigenleistung der Dielenboden der Orgelempore von Teppich und einer dicken Farbschicht befreit worden.

Erna Dung bringt die Freude über das nahe Ende der Restaurierung auf den Punkt: „Wir haben lange gespart. Bald können wir wieder anständige Musik hören.“

Erntedankgottesdienst mit der neuen Orgel am Sonntag, 29. September, ab 10.45 Uhr. Konzert mit Orgelsachverständigem Peer Schlechta ab 16 Uhr.

Von Sven Kühling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.