Gemeinde lässt alle eigenen Straßen und öffentliche Flächen mit speziellem Verfahren erfassen

120.000 Bilder zeigen Ahnatal

Alles im Blick: Vermessungstechniker Sven Lindhauer (links) an seinem Arbeitsplatz im Spezialfahrzeug kümmert sich um die erfassten Bilder und Daten und er gibt Fahrer Gerhard Hesse die Route durch Ahnatal vor. Foto: Schräer

Ahnatal. Ein orange-silberner Transporter mit einer auffälligen Metallkonstruktion auf dem Dach bewegt sich seit gestern durch Ahnatal. Kameras erfassen die Umgebung. „Wir werden schnell mit Google street view in einen Topf geworfen“, sagt Sven Lindhauer.

Aufgeregte Anwohner könne er aber beruhigen. Ihre Häuser und privaten Grundstücke stehen nicht im Fokus. Der Vermessungstechniker der Fachfirma eagle eye technologies aus Berlin nimmt im Auftrag der Gemeinde sämtliche Straßen und öffentliche Wege auf.

In Ahnatal unterwegs: Das Spezialfahrzeug der Firma eagle eye technologies.

Ins Internet sollen auch diese Bilder nicht gestellt werden, wie Bürgermeister Michael Aufenanger betont. Das Material und die erhobenen Daten dienten rein zur internen Verwendung der Verwaltung.

Es werde mit dem Spezialverfahren ein Kataster aller Fahrbahnen, der Geh- und Radwege, des Straßenbegleitgrüns, von Parkplätzen und Parkbuchten, von Bordsteinen und Rinnen erstellt, sagt Günter Schmidt vom Bauamt der Kommune.

Mit dieser Analyse wisse die Gemeinde, welche Reparaturen oder Arbeiten zum Erhalt die nächsten Jahre erforderlich seien. Und die Kommune bekomme die erforderlichen Daten zur gesplitteten Abwassergebühr, die der Gesetzgeber fordere, sagt der Bürgermeister. Soll nach Abwasser und Niederschlagswasser getrennt abgerechnet werden, müssen zuvor alle Flächen erfasst sein, von denen Regenwasser in den Kanal eingeleitet wird.

Kim Gebauer

Und so funktioniert die jetzt verwendete Technik: Per GPS und Kreiselkompass wird der jeweilige Standort des Fahrzeugs in Sekundenbruchteilen ermittelt. Dadurch gebe es „die absolute Orientierung im Raum“, erklärt Kim Gebauer, Vertriebsleiter der Berliner Fachfirma. Position und gemessene Wegstrecke sind erforderlich, um die Bilder einem Ort genau zuzuordnen. Außerdem nehmen jeweils zwei Kameras eine Stelle auf und ermöglichen so nach der Bearbeitung räumliches Sehen.

Alle fünf Meter ein Bild von zehn Kameras macht 120 000 Aufnahmen von 60 Kilometern Straßen und Wegen in Ahnatal. Auf 15 bis 25 Zentimeter genau werde alles vermessen sein, der Zustand der öffentlichen Flächen nach technischer Auswertung in Kategorien von ein bis fünf bewertet, „wie bei Schulnoten“, sagt Gebauer. Auf eine Sechs habe man verzichtet, mangelhaft sei für den Zustand einer Straße schlimm genug.

Vermessungstechniker Lindhauer leitet mittels GPS und Kreiselkompass Fahrer Gerhard Hesse durch Ahnatal. Der ist im Ort mit Tempo 20 bis 40 unterwegs. Spätestens morgen sollen alle Bilder im Kasten sein, in drei bis vier Monaten die Auswertung vorliegen.

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