Neue Eisenbahnbrücke wurde mittels Luftkissentechnik um 46 Meter bewegt

Vellmar: 1300 Tonnen Stahlbeton verschoben

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Bild 1: Die vorgefertigte Brücke wird in ihre Position geschoben.

Vellmar. Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Bahnstrecke zwischen dem Bahnhof Obervellmar und Ahnatal-Heckershausen musste die fast 100-jährige Sandsteinbrücke an der Obervellmarer Brückenstraße abgebrochen werden.

Jetzt wurde von einer Spezialfirma aus Hannover die neue, 1300 Tonnen schwere, vorgefertigte Betonbrücke an ihren Bestimmungsort gebracht.

Zufrieden mit dem Verlauf der Arbeiten: Projektleiter Rolf Kühlborn.

Viele Schaulustige und technisch interessierte Menschen hatten sich in der Obervellmarer Brückenstraße eingefunden, wo in den vergangenen drei Monaten eine neue, freistehende Betonbrücke in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie entstanden war. Erst vor drei Tagen wurde die in die Jahre gekommene Sandsteinbrücke abgebrochen, denn eine Verstärkung und Erweiterung für das zweite Gleis, schied aus wirtschaftlichen Gründen aus.

„Beim Abriss der Brücke haben wir gesehen, wie marode das Bauwerk bereits war“, sagte Projektleiter Rolf Kühlborn von der DB Projektbau. Da ein Neubau auf freiem Feld kostenneutral war, wurde umdisponiert. Rund 6000 Kubikmeter Erdreich wurden bewegt, um dort eine komplett neue Brücke zu errichten.

Diese musste nun an ihren vorgesehen Platz transportiert werden. Dazu hatten sich die Firmen der Arbeitsgemeinschaft die Unterstützung der Firma KroneCranes aus Langenhagen bei Hannover geholt, die über jede Menge Erfahrung im Verschieben von Riesenbauwerken verfügt. Immerhin galt es, einen Betonkoloss mit einem Gesamtgewicht von 1300 Tonnen über 46 Meter problemlos zu transportieren.

Bild 2: Ein Großteil der Strecke ist bewältigt, gebannt verfolgen auch die Bauarbeiter das Schauspiel.

Schon vor Tagen hatten die Fachleute damit begonnen, eine Vorschubvorrichtung auf Gleitschienen zu bauen. Darauf wurden insgesamt acht Hydraulikpressen gesetzt, die mit je 250 Bar die neue Brücke anhoben. Auf einem Stickstoffkissen schwebten die 1300 Tonnen Stahl und Beton wenige Millimeter über den Gleitschienen. Eine weitere Hydraulik sorgte für den Vorschub.

Bild 3: Die neue Brücke ist an ihrer Endposition und kann in die Brückentrasse eingebaut werden.

So wanderte das Bauwerk unter den aufmerksamen Blicken der Techniker und vieler Schaulustiger pro Minute einen Meter voran, bis es nach gut einer Stunde den endgültigen Standort erreichte. „Mit dieser bewährten Technik können wir fast millimetergenau arbeiten“, erklärt Thomas Buschmann von der Arbeitsgemeinschaft und schaut ebenso interessiert zu wie viele seiner am Bau beteiligten Kollegen. „Schließlich sieht man so eine spannende Sache nicht jeden Tag, obwohl die Technik schon viele Jahre weltweit im Einsatz ist“, räumt der Bauleiter ein.

Insgesamt sechs Wochen soll die gesamte Bahnstrecke zwischen Vellmar und Ahnatal gesperrt bleiben, dann sind die Arbeiten soweit fortgeschritten, das die Strecke zum Ende der Sommerferien zumindest eingleisig wieder genutzt werden kann. In den nächsten Tagen wird die neue Brücke verfüllt und werden die Gleise verlegt, danach wird der Bahndamm verbreitert. Ende nächsten Jahres wird die Bahnstrecke dann komplett zweigleisig zwischen dem Bahnhof Obervellmar und dem Haltepunkt Casselbreite in Betrieb gehen.

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