VW: Dr. Michael Lacher geht als Leiter der Coaching in den Ruhestand

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Dr Michael Lacher

Baunatal. 2000 junge Menschen, so schätzt Dr. Michael Lacher (60), sind während seiner zehn Jahre durch die VW Coaching gegangen. Heute wird Lacher, der den Baunataler Ausbildungsbetrieb von Volkswagen seit 2001 leitete, verabschiedet.

Seine Nachfolge hat Dr. Stefan Kreher angetreten. Jedoch bleibt Lacher dem Konzern noch eine Weile erhalten.

Der Diplom-Betriebswirt und Diplom-Handelslehrer, der vor dem Studium eine Buchhändler-Lehrer absolivert hatte, arbeitet drei weitere Monate bei der Coaching, allerdings angedockt bei der Geschäftsleitung in Wolfsburg, um eine Studie über VW-Auszubildende zu organisieren. Denn: „Wir wissen relativ wenig über deren Sozial- und Bildungsprofil“, so sagt er.

Allzu oft wird man Lacher im Baunataler Werk dennoch nicht mehr sehen. Er arbeitet künftig weitgehend von zu Hause aus.

Die angehenden Mechatroniker Waldemar Schwarz (21, Kassel, von links), Fabian Semmler (20, Felsberg) und Tobias Wolfram (20, Edermünde-Grifte) mit Dr. Michael Lacher.

Aber es bleiben Spuren im Nordrandbau und in den Hallen. Zum Beispiel die umfassend sanierte Werkstatt, in der heute junge Leute ihren Beruf in freundlich heller Umgebung erlernen. „Das war eine dunkle Höhle“, sagt Lacher. Neben dem Äußeren habe sich organisatorisch viel verändert, die Ausbildung sei prozessorientiert umgestaltet worden und nun „sehr viel stärker auf die Bedürfnisse von VW ausgerichtet“. Wenn Engpässe in der Produktion auftreten, läuft hier zudem in kleiner Stückzahl Einzelfertigung für die Fabrik.

Ein Schwerpunkt: Die Gedenkstätten-Arbeit

Wichtig war Lacher ferner die Gedenkstätten-Arbeit, die – so hofft er – fortgesetzt wird. Alle zwei Jahre fuhren Auszubildende ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz in Polen, um dort für den Erhalt des Zeugnisses der Judenvernichtung zu arbeiten. „Das war mir eine Herzensangelegenheit“, sagt Lacher und verweist auch auf den Ertrag der Teilnehmer: „Die kamen verändert zurück.“

Lacher, waschechter Kasselaner mit Abi an der Herderschule, will sich nun neben der VW-Studie stärker seinen Hobbies widmen. Zum einen ist die Musik ein Steckenpferd. Er spielt als Gitarrist und Sänger in einer Braunschweiger Band, eine Bluesrock-Formation in Kassel ist im Aufbau. Außerdem ist Lacher passionierter Läufer – auf Füßen wie auf Brettern. Unter der 50-Kilometer-Distanz tritt er selten an, es sei denn, er wandert durch die Hochalpen. Als nächstes steht der Engadiner Ski-Marathon auf seinem Kalender.

Üppiges Programm also für den Ruhestand, in dem er zudem im Auftrag einer Projektgruppe der Uni für das Stadtjubiläum 2013 einen Beitrag zur Kasseler Wirtschaftsgeschichte seit 1945 liefern wird. Eines aber werde ihm nach dem Abschied von VW in Baunatal fehlen, räumt Lacher ein: Der Kontakt mit so vielen Menschen, „den werde ich sehr stark vermissen“.

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