Interview: Dekanin Carmen Jelinek über die Sanierung der Stiftskirche Kaufungen

„2017 wollen wir fertig sein“

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Dekanin Carmen Jelinek

Kaufungen. Um die notwendige Sanierung der fast 1000 Jahre alten Stiftskirche in Oberkaufungen finanziell zu unterstützen, wurde vor zehn Jahren der Förderverein Stiftskirche aus der Taufe gehoben. Wir sprachen mit der Vorsitzenden, Dekanin Carmen Jelinek:

Frau Jelinek, zehn Jahre Förderverein Stiftskirche: Wie weit sind Sie Ihrem Ziel eines von Grund auf sanierten Gotteshauses in dieser Zeit näher gekommen?

Carmen Jelinek: Die Sanierung liegt im Zeitplan von neun Jahren, wovon sieben Bauabschnitte gefördert werden. Wir haben allerdings den Ablauf etwas umgestellt. Ursprünglich hatten wir geplant, die Kirche 2013 / 2014 zu schließen, das verschiebt sich nun auf 2015 / 2016. Bekanntermaßen hatten wir ja in mehreren Sanierungsabschnitten mit Schwamm zu kämpfen. Die Finanzmittel sind auf 455 000 Euro pro Jahr begrenzt, deshalb mussten wir das Projekt etwas anders aufteilen.

Wie viel Geld hat der Verein bislang für die Sanierung gesammelt?

Jelinek: Bislang sind 450 000 Euro zusammengekommen. Das ist ein beachtlicher Betrag, von dem bereits ein Teil eingesetzt wurde. In der Rücklage, die der Verein gebildet hat, befinden sich 360 000 Euro. Gute Nachrichten gibt es vom Ritterschaftlichen Stift, das für dieses Jahr 60 000 Euro für die Sanierung zugesagt hat.

Turm, Chorraum und Dach sind fertig saniert, beim Innenraum haben Sie eine Überraschung erlebt.

Jelinek: Die Denkmalpflege hat uns wider Erwarten mitgeteilt, dass sie die Erneuerung der Haustechnik grundsätzlich nicht fördert. Um doch noch an Geld vom Land Hessen zu kommen, müssen wir nun nachweisen, dass die Wandmalereien unter dem gegenwärtigen Raumklima leiden.

Wie machen Sie das?

Jelinek: Das Raumklima in der Kirche wird ein Jahr lang einem Klima-Monitoring unterzogen. Bei der Untersuchung - gemessen wird in drei Meter Höhe - unterstützt uns dankenswerterweise der Kaufunger Messtechnikhersteller Sika, der uns die Technik zu günstigen Konditionen überlässt.

Noch mal zum Innenraum: Was wird sich dort tun?

Jelinek: Die Wände werden gereinigt, verfugte Risse werden übermalt. Die Beleuchtung und die Heizung müssen erneuert werden. Im Zuge der Heizungssanierung wird der Fußboden geöffnet und die Fliesen werden durch Sandstein ersetzt. Zum Kreuzgarten hin soll ein Ausgang entstehen. Außerdem wollen wir den Raum unter der Kaiserempore für Veranstaltungen der Kirchengemeinde nutzbar machen, zum Beispiel für den Kindergottesdienst. Und dann ist da noch die Wilhelm-Orgel auf der Empore, die auf ihre Sanierung wartet.

In den vergangenen zehn Jahren haben Sie sich immer wieder publikumswirksame Aktionen ausgedacht, um Geld für die Stiftskirche zusammenzubekommen. Die erfolgreichste ist die alljährliche Stiftsweihnacht. Wie sind Sie darauf gekommen?

Jelinek: Viele Menschen träumten schon länger von einem Weihnachtsmarkt in dem historischen Ambiente des Stiftshofs. Die Betreiber des Weihnachtsmarkts an der Leipziger Straße wollten keinen Markt fernab der Straße mit ihren Geschäften. Der Freiheiter Bürgerverein und der Förderverein Stiftskirche haben das Ganze dann zu ihrer Sache gemacht. Deshalb entstand ein zweiter Markt.

Die meisten freiwilligen Helfer, die die Stiftsweihnacht auf die Beine stellen, sind Herrschaften gesetzteren Alters. Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?

Jelinek: Noch haben wir keine Not. Wir wollen das aber weitsichtig im Blick haben. Bei neuen Mitstreitern, um die wir werben, geht es im Übrigen nicht nur um körperliche Kraft, sondern vor allem auch um neue Ideen.

Ist angesichts der Belastung an konzeptionelle Änderungen bei der Stiftsweihnacht gedacht - etwa an eine Verkleinerung oder daran, den Markt nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten?

Jelinek: Nein, das ist kein Thema. Es ist ja gerade wichtig dranzubleiben.

Am 27. April steigt die nächste spektakuläre Veranstaltung des Vereins: eine Holzauktion auf dem Stiftshof. Wird es diese fortan regelmäßig geben?

Jelinek: Die Holzauktion ist zunächst als einmalige Aktion geplant, zumal wir darüber hinaus noch einiges vorhaben.

Was planen Sie noch?

Jelinek: Ende Mai veranstaltet der Förderverein eine Sponsorenwanderung auf dem Lutherweg. Im September wird es ein Dinner in und zugunsten der Stiftskirche geben. Zu dem Essen mit mehreren Gängen werden 200 bis 250 Gäste erwartet. Im November 2013 wird dann der weltbekannte Trompeter Ludwig Güttler zu einem Konzert kommen, und 2015 der Klezmermusiker Giora Feidman. Dafür haben wir uns eingesetzt. Beide werden von der Kirchengemeinde engagiert. Mögliche Überschüsse der Konzerte sollen dazu beitragen, die Betriebskosten der Stiftskirche zu decken.

Ziel des Vereins ist es auch, die historische und kulturelle Bedeutung der Kirche zu fördern. Wie groß ist diese?

Jelinek: Die Stiftskirche ist die größte Kirche in der Umgebung von Kassel und eine der ältesten: 2025 feiern wir ihr 1000-jähriges Bestehen. Für Konzerte ist sie ausgesprochen attraktiv.

Wagen Sie eine Prognose: Wann wird die Sanierung der Stiftskirche mit allem Drum und Dran abgeschlossen sein?

Jelinek: 2017 jährt sich die Grundsteinlegung zum 1000. Mal. Dann wollen wir im Großen und Ganzen fertig sein und auch schon mal feiern.

Von Peter Ketteritzsch

Zur Person: Carmen Jelinek steht seit der Gründung vor zehn Jahren an der Spitze des 180 Mitglieder zählenden Fördervereins Stiftskirche Kaufungen. Die 54-Jährige ist seit fast 15 Jahren Dekanin des Kirchenkreises Kaufungen, der den Altkreis Kassel umfasst. Jelinek wurde im nordhessischen Fritzlar geboren.

In Göttingen, Basel und Heidelberg studierte sie Theologie. Später arbeitete Jelinek zwei Jahre in der Erlöserkirchengemeinde in Jerusalem. Anschließend war sie zwölf Jahre lang Pfarrerin in Hessisch Lichtenau. Carmen Jelinek ist verheiratet. Mit ihrem Ehemann lebt sie in Kaufungen. (ket)

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