Massensterben von Bestäubern

36.000 Bienen sind tot  - Züchter vermutet Pestizide

Niestetal. Wie Soldaten reihen sich die Hölzchen im Wildbienenhotel von Otto Kern in Sandershausen aneinander. Jedoch ist in diesem Jahr nicht eine sogenannte Solitärbiene aus den selbst gebauten Nisthilfen des Hobbyzüchters geschlüpft.

Sie sind alle tot. Unentwegt schlitzt Kern die Schilfholzröhrchen mit dem Taschenmesser auf. „Nichts zu machen“, sagt er immer wieder. In zwölf Nistkästen mit jeweils 300 Röhrchen liegen teils vollständig entwickelte, tote Wildbienen. Diese Art lebt nur wenige Wochen und wird ausschließlich gezüchtet, um für die Bestäubung von Pflanzen zu sorgen.

Bestäuber: Ohne die Bienen können sich Pflanzen nicht entwickeln.

Pro Schilfholzröhrchen legt eine Biene zirka zehn Eier ab. Alles in allem beklagt Kern somit einen Verlust von rund 36 000 Bienen. „Für die Pflanzenwelt ist das eine Katastrophe“, sagt er. „Die Vermutung drängt sich auf, dass es am Pollen liegt“, sagt Kern. Damit die kleinen Maden bis zur Verpuppung genügend Futter haben, trägt die Biene Pflanzenpollen in die Röhrchen. Diese umschließen die Eier und dienen als Futterreservoir. „Es könnte zu viel Spritzmittel in den Pollen gewesen sein“, vermutet Kern.

Dies könnte die Bienen im Stadium der Made so geschwächt haben, dass sie als Bienen nicht mehr stark genug waren, um die von Lehm umschlossenen Kammern in den Röhrchen zu durchbrechen. „Das war ihr Todesurteil“, sagt Kern.

EU verbietet Pestizid

Erst am vergangenen Dienstag hat die EU den Einsatz des Pestizides Fipronil verboten. Fipronil wird für das massenhafte Sterben von Honigbienen verantwortlich gemacht. Betroffen sind vor allem Maissamen, die mit dem Pestizid behandelt wurden. Diese dürfen nur noch bis Februar 2014 ausgebracht werden.

Für Pflanzen, die vor der Blüte ausgesät werden, zum Beispiel Rosenkohl oder Lauch, soll der Einsatz erlaubt bleiben. Ob der Einsatz von Pestiziden auf nahe gelegenen Feldern der Grund für das Sterben in Kerns Nistkästen war, bleibt vorerst ungeklärt. Erlebt habe er so etwas jedenfalls noch nie.

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