49-Jähriger bestreitet Missbrauch der Stieftochter

Kreis Kassel. Weil er seine damals zwölfjährige Stieftochter sexuell missbraucht haben soll, muss sich jetzt ein 49-Jähriger aus dem nördlichen Kreis Kassel vor dem Landgericht verantworten.

Die Anklage wirft ihm vor, von Juni 2010 bis Frühsommer 2011 das Kind in sechs Fällen missbraucht zu haben. Dabei soll er sich an dem Kind vergriffen haben - und es im Tausch für ein neues Handy oder andere kleine Geschenke genötigt haben, sein Glied anzufassen.

Der Angeklagte, der diesen Vorwürfen mit gerunzelter Stirn und Kopfschütteln gefolgt war, wies sämtliche Anschuldigungen zurück. „Ich habe das Kind nie sexuell angefasst“, beteuerte er. Er habe die aus Litauen stammende Mutter des Mädchens und eines jüngeren Bruders 2004 kennengelernt und ein Jahr später geheiratet. Nach einigen Jahren habe man sich auseinandergelebt. Im Sommer 2011 habe er ihr dann eröffnet, sich von ihr trennen zu wollen. Wenige Stunden nach dieser Mitteilung, habe das Kind „aus heiterem Himmel“ die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhoben.

„Die will mir einen reinwürgen“, sagte der 49-Jährige auf Befragen von Richter Dreyer nach den Gründen. Er sei „streng, aber fair“ zu den Kindern gewesen, zu denen er während der im April 2014 geschiedenen Ehe ein eher distanziertes Verhältnis gepflegt habe. Das Mädchen habe schon früh „Auffälligkeiten“ gezeigt, weshalb vom Jugendamt eine Therapie empfohlen worden sei.

In dem fraglichen Zeitraum habe die Zwölfjährige zudem ein „Verhältnis“ zu einem 43 Jahre alten Mann gehabt, der nach einem Treppensturz verstorben sei.

Als das heute 17-jährige Mädchen als Zeugin aussagte, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Wenig Erhellendes hatte auch die 32-jährige Mutter des Mädchens und Ex-Frau des Angeklagten beizutragen. Mit leiser, stockender Stimme berichtete sie, wie ihre Tochter ihr von dem Missbrauch durch den Stiefvater erzählt habe, den sie allerdings erst Monate später bei der Polizei anzeigte. Zuvor habe sie das Kind zum Frauenarzt gebracht, der eine intakte Jungfräulichkeit festgestellt habe.

Entgegen den Angaben des Angeklagten gab die Mutter an, die Trennung sei von ihr ausgegangen.

Während der Befragung durch Richter, Staatsanwalt und Sachverständige konnte die 32-Jährige nur mühsam die Fassung bewahren. „Ich habe als Mutter versagt, ich konnte meine Tochter nicht beschützen“, warf sie sich selbst vor.

Gestern wurden noch weitere Familienangehörige als Zeugen gehört. Das Verfahren wird am Freitag, 24. Juli, um 9 Uhr im Raum E 119 fortgesetzt. Dann will die Jugendschutzkammer des Landgerichts auch zu einem Urteil kommen.

Von Tom Stier

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