49-Jähriger aus Landkreis wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Das Landgericht hat entschieden: Wegen Missbrauchs einer 12-Jährigen wurde ein 49-Jähriger aus dem Landkreis zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Foto: dpa

Kreis Kassel. Emotionslos nahm der 49-jährige Angeklagte aus dem nördlichen Landkreis Kassel das Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung entgegen.

Die 10. Strafkammer des Landgerichts Kassel sprach den Mann schuldig, seine damals 12-jährige Stieftochter in drei Fällen sexuell missbraucht zu haben. Angeklagt wurde der Mann wegen sechs Fällen, die sich in dem Zeitraum von Juni 2010 bis Frühsommer 2011 ereignet haben.

In seiner Urteilsverkündung betonte Richter Dreyer, dass die Aussagen der Zeugin glaubwürdig seien. „Das Mädchen hat durch sie sexuellen Missbrauch erfahren.“ Die Frage sei nur, was nachgewiesen werden könne. Sicher war sich der Richter auch, dass das Opfer kein Motiv zur Falschaussage habe. Ein Streben nach Aufmerksamkeit oder Zuwendung der Zeugin gebe es ebenfalls nicht. „Außerdem habe das Mädchen damals seinem Onkel und seiner Cousine davon erzählt und diese darum gebeten, es nicht weiterzusagen“, so der Richter. Viele „Real-Kennzeichen“ sprechen für die Glaubhaftigkeit der Aussagen.

Problematisch sei hingegen die Aussagekonstanz des Opfers. „An einigen Stellen haperte es“, so der Richter. Es sei nicht mehr nachzuweisen, ob es zur Vollendung der sexuellen Handlungen an dem Mädchen gekommen oder es beim Versuch geblieben sei. „Im Zweifel für den Angeklagten“, so Richter Dreyer.

Während der Verhandlung beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. „Ich habe das Kind nie sexuell angefasst.“ Der 49-Jährige sagte, dass wenige Stunden nach der Mitteilung, dass er sich von der Mutter des Mädchens scheiden lassen möchte, das Kind „aus heiterem Himmel“ die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhoben habe.

„Die will mir einen reinwürgen“, sagte der Mann während der Verhandlung auf Befragen von Richter Dreyer nach den Gründen. Der Angeklagte habe das Mädchen an der Scheide manipuliert und es im Tausch für ein neues Handy oder andere kleine Geschenke genötigt, sein Glied anzufassen.

2004 lernte der Angeklagte die aus Litauen stammende Mutter des Mädchens und eines jüngeren Bruders kennen und heiratete sie ein Jahr später. 2014 wurde die Ehe geschieden. Für die lange Verfahrensdauer, die vielleicht auch die Erinnerungen der Zeugin habe verblassen lassen, entschuldigte sich der Richter. „Die lange Zeit ist auf den Abbau von Richterstellen zurückzuführen.“

Die Arbeit müsse von immer weniger Richtern bewältigt werden. Das sei eine höchst unzufriedene Situation. „Das wird sich aber noch weiter verschärfen.“ (pju)

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