Steuerhinterziehung: Fuldabrücker erhielt Bewährungsstrafe und muss 27 000 Euro zahlen

70-jähriger Unternehmer verurteilt

Fuldabrück. Strafobergrenze gegen Geständnis – in aller Regel ist das der Kern einer Verständigung, wie sie Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft treffen können, um ein Verfahren zügig zum Ende zu bringen. Einen solchen Deal hat es auch im Steuerhinterziehungsprozess gegen einen 70-jährigen Geschäftsmann aus Fuldabrück gegeben. Doch in zwei Anläufen ließ der Mann es an der in Aussicht gestellten Aussage fehlen. Gestern dann fehlte er selbst.

Das sei nicht ganz unerwartet, sagte Richter Hirdes im Kasseler Amtsgericht. Es habe nochmals Erörterungen zur Verständigung gegeben. Wenn der Angeklagte nicht mehr rechtzeitig erscheine, könne man die Sache per Strafbefehl zu Ende bringen.

So kam es auch: Wegen mehrfacher vollendeter und einer versuchten Steuerhinterziehung wurden dem Fuldabrücker ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung plus eine Geldstrafe von 270 Tagessätzen à 100 Euro auferlegt.

Die Bewährungszeit setzte das Schöffengericht auf vier Jahre fest. Man wolle den Angeklagten „noch etwas im Auge behalten“. Zur Auflage gemacht wurde dem 70-Jährigen auch, innerhalb von zwölf Monaten 150 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten – und innerhalb von sechs Monaten korrekte Einkommens- und Umsatzerklärungen für 2008 bis 2011 abzugeben. Als möglichen Anlass für das frühere Aussageverhalten des Angeklagten wurden gesundheitliche Gründe in Betracht gezogen.

Die hatte die Verteidigung mehrfach angeführt – ohne dabei in der öffentlichen Verhandlung konkreter zu werden. Der Angeklagte selbst hatte sich als hart arbeitender Mann präsentiert, der sich zum Teil auf falschen Rat verlassen habe.

Er hat nun zwei Wochen Zeit, dem Strafbefehl zu widersprechen. „Sollte der Angeklagte der Ansicht sein, hier ungerecht behandelt worden zu sein, freut sich der Vorsitzende auf ein Wiedersehen“, sagte der Richter. Der Strafbefehl, das hatte er vorher schon erläutert, unterstelle „ein vollumfängliches Geständnis“.

Im Zuge des Deals waren zuletzt noch Vorwürfe zu Steuerhinterziehung im Umfang von 200 000 Euro Gegenstand des Verfahrens gewesen.

Von Katja Schmidt

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