Margrit Krug rettete ihre Enkelkinder übers Vordach

Nach Feuer in Fleischerei Krug: Helden-Oma kämpfte um ihr Leben

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Einfach glücklich: Leonie (14, von links), Margrit (74) und Timo Krug (12) können gemeinsam wieder lachen. Die Seniorin rettete ihren Enkelkindern das Leben. An ihrem gebrochenen Fuß muss sie nochmal operiert werden.

Baunatal. Schreie, Flammen und dichter schwarzer Qualm - Margrit Krug war all diesen Dingen ausgesetzt. Und dennoch hat die 74-jährige Oma in dieser dramatischen Situation mit kühlem Kopf gehandelt und ihren beiden Enkel Leonie (14) und Timo (12) und letztendlich auch sich selbst das Leben gerettet.

Am Mittwoch vergangener Woche brannte es in der Fleischerei Krug in Altenbauna. Innerhalb kürzester Zeit waren die 74-Jährige und ihre beiden Enkelkinder durch Flammen und Qualm in dem Gebäude eingeschlossen. Dramatische Szenen spielten sich in dem Haus am Zwehrener Weg ab.

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Sie habe die Tür zur Küche im Erdgeschoss aufgemacht, erinnert sich die Seniorin. „Da kamen mir schon dunkle Wolken entgegen.“ Die 74-Jährige handelte sofort, lief die Treppe ins Oberschgeschoss hinauf und sammelte Leonie ein. „Der Qualm kam hinter mir her. Oben an der Treppe habe ich kaum noch Luft gekriegt.“

Zusammen mit der 14-Jährigen rannte sie dann weiter nach oben, wo sich Timo befand. Gemeinsam kletterten die drei dann durch ein Fenster des Dachgeschosses auf einen kleinen Vorsprung ins Freie. Von dort ließ die Oma die Kinder zwei, drei Meter runter auf ein Vordach auf der Rückseite des Gebäudes.

Magrit Krug Sprang hinterher, kam auf dem Wellblechdach schief auf und brach sich kompliziert den Knöchel.

Die Kinder gelangten von dort aus schnell in Sicherheit. Ihnen seien auf dem Vordach schon Mama und Papa entgegen gekommen, berichten Leonie und Timo. „Über eine Treppe konnten wir dann von dem Dach runter laufen.“

Schwiegertochter Manuela Krug versuchte die auf dem Dach sitzende Großmutter noch wegzutragen - vergeblich. „Sie war zu schwer. Und ich konnte nicht mehr atmen“, sagt sie. Dichter schwarzer Qualm sorgte schließlich dafür, dass sich die 74-Jährige und die anderen Familienmitglieder aus den Augen verloren. „Aus den Fenstern kamen Stichflammen“, sagt Margrit Krug.

Die 74-Jährige war nun auf sich allein gestellt. Auf Händen und dem Hintern sei sie viele Meter über das Vordach gerutscht. Schließlich rettete sich die Seniorin in eine Tür des angrenzenden Nebengebäudes, wo sie weiter über den Boden weg von Qualm und Flammen robbte.

Erst nach etwa 20 Minuten fand ein Feuerwehrmann die völlig entkräftetet Seniorin in dem Nebengebäude. „Alle dachten, ich wäre mit den Flammen in das Vordach eingebrochen. In dem Nebengebäude hat mich keiner vermutet.“

Arme und Beine der 74-Jährigen sind von der eigenen Rettungsaktion immer noch blau, der Fuß liegt in einer Gipsschiene. Dennoch kann Magrit Krug auf dem Krankenhausbett inzwischen wieder lachen - und zwar gemeinsam mit den Enkelkindern, die sie fest in die Arme schließt.

Von Sven Kühling

Hintergrund

Das Feuer in der Fleischerei Krug ging nach Erkenntnissen der Ermittler von Deckenleuchten in der Küche aus. Den Schaden gab die Polizei nach dem Brand mit rund 120 000 Euro an. Nach Angaben von Fleischerei-Chef Torsten Krug läuft das Geschäft in dem Nebengebäude wieder nahezu normal. Man nutze nur einen andern Produktionsstandort. Für die Kunden habe sich aber nichts geändert, sagt Krug. Erfreut äußern sich die Familienmitglieder auch über die Unterstützung aus dem Ort. „Viele haben uns geholfen“, sagt Torsten Krug. „Dafür wollen wir uns ausdrücklich bedanken.“ Weil das Wohnhaus erheblich in Mitleidenschaft gezogen ist, wohnen die Familienmitglieder vorübergehend in anderen Häusern. (sok)

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