Meter für Meter in den Berg

Baustart des Tunnels Hirschhagen: Meter für Meter in den Berg

Helsa. Es ist Mittwoch, 14.30 Uhr. Ein Bagger schlägt seine beiden Stahlzähne in die Wand am Abhang des Stiftswalds und reißt die ersten Stücke aus dem Fels – dies ist der Anstich für die beiden Röhren des Hirschhagen-Tunnels der A44 auf der Westseite bei Helsa.

Ein historischer Augenblick für die Gemeinde, doch von den Einwohnern bekommt niemand etwas mit – denn diesmal gibt es keine Politikerreden wie beim feierlichen Tunnelanstich Anfang Juni in Hessisch Lichtenau, als dort am Ost-Portal mit dem Tunnelbau begonnen wurde. Dort haben die Arbeiter der Firma Baresel (Stuttgart) die beiden Tunnelröhren bereits 350 Meter tief in den Berg getrieben.

Von nun an arbeiten sie sich also auch von der Westseite in den Berg. In knapp zwei Jahren wollen sich die Tunnelbauer in der Mitte des 4,2 Kilometer langen Tunnels zum Durchstich treffen. Dass sie das Ziel nicht verfehlen, da sind sie sich sicher. Nur ein paar Zentimeter beträgt die Toleranz, mit modernster Vermessungstechnik und GPS-Einsatz wird die Arbeitsrichtung ständig kontrolliert.

Auch wenn heute nicht gefeiert wird, für die Tunnelarbeiter ist es ein besonderer Tag: „Anstich und Durchstich gibts halt nur einmal“, sagt Vorarbeiter Harald Fürstenhöfer.

Zehn Stunden täglich schuftet der 49-Jährige mit seinem sechsköpfigen Team auf der Riesenbaustelle an der Waldhofkurve der B7. „Das ist kein Mädchenpensionat“, sagt er. Bei den schweren Maschinen, die hier in großer Zahl im Einsatz sind, wäre man auch nicht auf diese Idee kommen.

Bereits ab dem frühen Morgen hatten die Arbeiter den Tunnelanstich vorbereitet. Der Tunneleingang, die sogenannte Luftbogenstrecke, wurde mit Bewehrungsstahl versehen und mit Spritzbeton verkleidet. Das so entstandene Vordach soll während der Bauarbeiten vor Steinschlag schützen.

Nun werden sich die Mineure Meter für Meter in den Fels (Gebirge genannt) vorarbeiten. Dazu werden Löcher in den Sandstein gebohrt, in die Sprengstoff gefüllt wird. Jeweils etwa 1,5 Meter Gestein wird bei einer Sprengung gelockert.

Das Material wird mit Lastwagen abgefahren und zur Deponie am Hirschberg gebracht. Anschließend wird die freigelegte Decke mit Spritzbeton fixiert. Mit Ankern, Bewehrungsmatten, Stahl und Spritzbeton in mehreren Lagen wird die Decke fixiert. Dann kann der nächste Abschnitt gesprengt werden.

In einem weiteren Arbeitsschritt wird dann die massive Innenschale aus Beton gegossen, in der später die Fahrbahn geführt wird.

Bisher lief bei den Bauarbeiten alles glatt. Tiefer im Berg warten allerdings größere Herausforderungen, sagt Polier Gerhard Lattacher. So muss die Losse unterquert werden, auch mit belastetem Wasser der früheren Munitionsfabrik Hirschhagen rechnet man. Das Wasser muss abgepumpt und aufwändig geklärt werden.

A44: Tunnelanstich zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau

Von Holger Schindler

Rubriklistenbild: © Schindler

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