Bauwerk wird täglich länger

A44-Tunnel Hirschhagen: So ist der Stand der Bauarbeiten

Helsa/Hessisch Lichtenau. Es wird der zweitlängste Straßentunnel Deutschlands. Er verschlingt monatlich Millionen. Wir geben einen Überblick und sagen, wie es weitergeht.

Zurzeit herrscht Ruhe auf der größten Tunnelbaustelle in Hessen, rund um Weihnachten wird am Bau des A44-Tunnels Hirschhagen nicht gearbeitet.

Doch ab Freitag, 2. Januar, werden die Tunnelarbeiter wieder in zwei Schichten einfahren, um die beiden 4,2 Kilometer langen Röhren für den zweitlängsten Straßentunnel in Deutschland zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau zu errichten.

Dabei kommen sie unterschiedlich gut voran. Während die Bauarbeiter von der Ost-Seite bei Hessisch Lichtenau schon die Tunnelmitte ins Visier nehmen können, befindet man sich auf der Westseite bei Helsa wegen kritischer Bodenverhältnisse noch relativ am Anfang.

Laut Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus ist die Südröhre auf Helsaer Seite 710 Meter weit in den Boden vorgetrieben. Die Tunnelarbeiter befinden sich mit ihren großen Baggern in 20 Meter Tiefe zurzeit zwischen der Bundesstraße 7 und der Lossetalbahn, die im schrägen Winkel unterquert werden.

Tunnelbaustelle bei Helsa: Das Luftbild zeigt die Bauarbeiten am Westportal des A 44-Tunnels Hirschhagen. Zu sehen sind die beiden Tunnelröhren, die später die getrennten Richtungsfahrbahnen aufnehmen werden. Links ist die Bundesstraße 7 im Bereich der Waldhofkurve zu sehen. Archivfoto: Meder

Die Nordröhre ist mit 715 Meter etwas weiter und hat die Straßenbahntrasse bereits hinter sich gelassen. Hier kommt nun der kritische Bereich der Unterquerung der Losse. Bis zum Fluss sind es laut Hessen Mobil noch etwa 200 Meter. Um einen Wassereinbruch zu vermeiden, wurde das Flussbett mit einer Folie ausgekleidet. Außerdem wurden mehrere Brunnen gebohrt, um das Grundwasser abzusenken. Grund für das langsame Vorankommen ist die Beschaffenheit des Bodens. Statt dem roten Buntsandstein treffen die Mineure hier in der Tiefe auf lockeren Sand und Ton mit Einsprengseln von Braunkohle. Zusammen mit Wasser bildet dies ein gefährliches Gemisch - der Berg ist nicht stabil, sondern zähflüssig wie Pudding. Decken und Wände werden daher in einem aufwendigen Verfahren immer wieder mit Stahl, Ankern und Spritzbeton stabilisiert, bevor weiter gegraben werden kann.

Auf der Ost-Seite sind die Bodenverhältnisse besser. Daher sind die Tunnelarbeiter dort bereits 1802 Meter (Nordröhre) beziehungsweise 1687 Meter (Südröhre) vorgedrungen. Insgesamt befindet sich laut Hessen Mobil inzwischen 60 Prozent der Gesamtlänge des Tunnels in Arbeit, das heißt konkret: 4910 Meter der insgesamt 8400 Tunnelmeter (zwei Röhren von je 4,2 Kilometer Länge) sind gegraben. In zwei der vier Tunnelvortrieben wurde darüber hinaus mit den Abdichtungs- und Betonierarbeiten begonnen. Auf 1200 Meter ist der Tunnelboden schon betoniert worden, auf 550 Meter auch das Gewölbe.

Abschnitt soll 2018 fertig sein

Der A 44-Abschnitt zwischen der im Bau befindlichen Anschlusstelle Helsa-Ost und Hessisch Lichtenau ist 5,9 Kilometer lang.

4,2 Kilometer misst davon der Tunnel Hirschhagen. Die restlichen 1,7 Kilometer verlaufen als freie Strecke am Hang des Stiftswalds. 2018 soll der gesamte Abschnitt fertig sein.

Die Kosten für das 5,9 Kilometer lange Autobahnstück belaufen sich auf 250 Mio. Euro. Die Baustelle verschlingt jeden Monat 6 Mio. Euro.

Baustelle Tunnel Hirschhagen

Katastrophenschutzübung A44 Tunnel Hirschhagen

Rotfärbun g noch nicht gelöst

Das Problem der zeitweiligen Rotfärbung des Wedemannbachs in Wickenrode und in der Folge der Losse ist laut Hessen Mobil weiterhin nicht gelöst.

Im September hatte sich das Bachwasser nach einem Starkregen rot verfärbt. Grund waren Abschwemmungen vom früheren Zechengelände Hirschberg, wo der Tunnelabraum zur Rekultivierung der Zeche abgelagert wird.

Erst wenn die Erddeponie gefüllt, rekultiviert und abgedeckt sei, könne man weitere Verfärbungen des Bachwassers ausschließen, teilte Hessen Mobil mit.

Von Holger Schindler

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