Landkreis lehnt gelben Wertstoffbehälter ab

Abfallentsorgung: Rote Karte für die gelbe Tonne

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Es bleibt bei drei Behältern: Der Landkreis Kassel will die Restabfalltonne (grau) künftig als graue Wertstofftonne nutzen. Das Bild zeigt den Leiter der Abfallentsorgung, Uwe Pietsch (von links), Abfalldezernentin Susanne Selbert und Dr. Michael Kern vom Witzenhausen-Institut mit den drei im Landkreis eingesetzten Abfallbehältern. Braun steht für Biomüll, Grün für Papierabfall.

Kreis  Kassel . Eine Art gelbe Tonne Plus soll den gelben Sack ablösen und künftig bundesweit alle Arten von Plastik und Metall aus Haushalten aufnehmen, auch die ohne grünen Punkt.

Das sind die Pläne der Bundesregierung, die mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz die Grundlage für die Einführung der neuen Wertstofftonne gelegt hat. Organisation und Finanzierung der Neuerung sollen jetzt durch ein Wertstoffgesetz geregelt werden. In vielen Regionen regt sich Widerstand gegen das Vorhaben der Bundesregierung. So auch im Landkreis Kassel, der die bisherige Restabfalltonne als graue Wertstofftonne nutzen möchte und den Bürgern keine vierte Mülltonne zumuten will.

Rückendeckung erhält der Landkreis von Abfallexperten. „Wir erreichen mit der ganz normalen Restabfalltonne heute bereits 6,3 Kilogramm recyclingfähiger Kunststoffe und Metalle pro Einwohner und Jahr“, sagte Dr. Michael Kern, geschäftsführender Gesellschafter des Witzenhausen-Instituts. Die Einrichtung organisiert das Kasseler Abfallforum, das am Donnerstag zu Ende ging. Mit diesem Wert würden die Ziele, die mit der gelben Tonne erreicht werden sollen, bereits übererfüllt, so Kern. Durch die eigenständige Wertstofftonne könne man nach den von der Bundesregierung veröffentlichten Zahlen nur 4,9 kg als Recyclingmenge erreichen. Der Wissenschaftler berichtete außerdem, dass die Qualität der während eines Praxisversuchs aufbereiteten Kunststoffe keine Unterschiede zu Leichtstoffverpackungen aus dem gelben Sack aufgewiesen habe.

Abfalldezernentin Selbert lehnt es ab, „seitens des Landkreises 77.000 neue Wertstofftonnen anzuschaffen“. Für die Bürger löse eine weitere Abfalltonne nur Stellplatzprobleme aus, sagte die Vizelandrätin. Der Landkreis werde die Ergebnisse des Praxisversuchs jetzt mit seinen Partnern der „Arbeitsgemeinschaft graue Wertstofftonne“ in die Beratungen zum neuen Wertstoffgesetz einbringen. Es gehe nicht um die Farbe der Tonne, sondern um Verwertungsquoten und damit um die ökologische Sinnhaftigkeit.

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