Dubiose Gewerbeauskunft-Zentrale sorgt in Lohfelden für Unruhe unter den Gewerbetreibenden

Abo-Falle: Warnung vor teurer Abzocke

Reinhold Jodeit fiel nicht auf das verdeckte Angebot der Gewerbeauskunft-Zentrale herein. Unser Bild zeigt den 54-jährigen Informatiker und Handwerksmeister in seinem Lohfeldener Geschäft. Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. „Wenn ich das Kleingedruckte nicht gelesen hätte, wäre es für mich teuer geworden“, sagt Reinhold Jodeit. Der staatlich geprüfte Informatiker sowie Radio- und Fernsehtechnikermeister erhielt jetzt zweimal Post von einer Gewerbeauskunft-Zentrale, die ihn mit dieser Masche in die Abo-Falle locken wollte.

So jedenfalls sehen es der Lohfeldener und viele andere Gewerbetreibende.

Reinhold Jodeit ergänzte das seriös und amtlich wirkende Formular für die Aufnahme in ein bundesweites Internetverzeichnis nicht, sondern übergab es zur „kritischen Überprüfung“ an die Gemeinde Lohfelden und den Gewerbeverein weiter.

„Das ist eine Riesensauerei, fast hätte ich mich zwei Jahre lang für mehr als 1100 Euro an einem Internetverzeichnis beteiligt, das keiner braucht“, sagt Jodeit, der die Art und Weise des Vorgehens der Düsseldorfer GWE GmbH Gewerbeauskunft-Zentrale für unzulässig, fast sogar für „offensichtlichen Betrug“ hält. Erst im Kleingedruckten auf Seite 2 finde man einen Hinweis darauf, dass für den Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten 956,40 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer fällig werden.

Zudem verlängere sich der Vertrag automatisch, wenn er nicht gekündigt wird, sagt Reinhold Jodeit. Der selbstständige Handwerksmeister empfiehlt seinen Kollegen, lieber in den einschlägigen Branchenbüchern der Region zu inserieren.

Das Geschäft mit der Abo-Falle scheint sich jedoch zu lohnen. Von vielen betroffenen Gewerbetreibenden ist bekannt, dass die Gewerbeauskunft-Zentrale.de sehr schnell Mahnbescheide verschickt. Die Schutzgemeinschaft gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) aus Bad Homburg rät in diesen Fällen, fristgerecht Widerspruch einzulegen und abzuwarten. Die Abzocker schrecken meist vor kostspieligen Verfahren zurück und setzen vielmehr darauf, dass die Gewerbetreibenden die Widerspruchsfrist versäumen, hieß es.

Mehrfach gewarnt

Für die Gemeinde Lohfelden ist die dubiose Gewerbeauskunft-Zentrale keine Unbekannte: „Wir haben mehrfach vor dieser Abzocke gewarnt“, sagt Ordnungsamtschef Marco Haselböck auf Nachfrage der HNA. Er halte das Internetverzeichnis ohnehin für überflüssig, weil man die darin enthaltenen Informationen auch durch Auskünfte aus dem Gewerberegister der Gemeinde erhalten könne. „Und die gibt es bei uns in der Regel kostenlos“, sagt Haselböck.

Auch die Vorsitzende des Gewerbevereins Söhre, Birgit Kaiser-Wirz, rät ihre Mitglieder zu großer Vorsicht, weil das Ausfüllen und Zurückschicken der amtlich anmutenden Fragebogen „sehr teuer werden kann“.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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