Gebäude soll neuem Dorfzentrum weichen – Markt-Betreiber gefunden

Abriss von Gasthaus steht bevor - Schlimme Zustände im Inneren

Unappetitlich: Große Mengen vergammelten Fleisches lagerten in alten Kühltruhen der ehemaligen Gaststätte. Feuerwehrleute in Schutzanzügen halfen beim Leerräumen der Häuser. Foto: Gemeinde Nieste/nh

Nieste. Wie soll die Ortsmitte von Nieste weiterentwickelt und zu einem schönen und funktionstüchtigen Dorfzentrum werden? Antwort auf diese Frage erhofft sich die Gemeinde von einer Machbarkeitsstudie, für deren Erstellung sich drei Kasseler Fachbüros beworben haben.

Am 8. Juni, so Bürgermeister Edgar Paul (SPD), solle der Auftrag an eines der Büros vergeben werden. Die Studie solle Ende September vorliegen und dann in einer Bürgerversammlung zur Diskussion gestellt werden.

Einige wichtige Weichen wurden bereits gestellt: Für den Edeka-Markt sei ein neues Betreiberpaar gefunden worden, berichtete Paul. Die beiden hätten Erfahrung im Einzelhandel und könnten dafür sorgen, dass Niestes einziger größerer Lebensmittelmarkt dauerhaft im Ort bleibe.

Damit der Markt sich vielleicht einmal zu einem kleinen Einkaufszentrum auswachsen kann, werden die rund 3000 Quadratmeter des ehemaligen Gasthauses „Zum Niestetal“ benötigt. Im Auftrag der Gemeinde hat die Hessische Landgesellschaft (HLG) inzwischen den Komplex aus mehreren alten Fachwerkhäusern gekauft.

Seit zwei Wochen werden die Gebäude leer geräumt. Wegen teilweise haarsträubender hygienischer Zustände mussten Teile der Gaststätten-Einrichtung von Feuerwehrleuten in Schutzanzügen herausgeschafft werden. Noch nutzbare Teile der Einrichtung wurden laut Paul verkauft oder an die Niester Vereine übergeben.

Beim Landkreis liegt ein Antrag auf Abriss der fünf Gebäude vor, die ab 1837 erbaut wurden und die sich heute in einem beklagenswerten Zustand befinden. Der Verwaltungschef rechnet damit, dass die Genehmigung erteilt wird, obwohl die Fachwerkhäuser unter Denkmalschutz stehen.

Was von der Bausubstanz noch nutzbar ist, soll verkauft werden. Dazu zählen die seltenen Metallschindeln, mit denen Fassaden verkleidet sind, und die glasierten Dachziegel. Einige Fenster und Holzbalken können im Dorf verwendet werden, tragende Fachwerkbalken sollen in Nachbauten der Königsalm-Hütten genutzt werden.

Auch die Sandsteinfundamente der Häuser werden wieder verbaut. Was an die Stelle des alten Gasthauses treten kann, soll die Studie klären.

Eine Erweiterung des Edeka-Marktes und die Verlagerung des Getränkemarktes dorthin sind möglich, außerdem die Ansiedlung weiterer Läden und von Kleingewerbe. Allerdings wäre auch eine Wohnbebauung möglich, wenn sich dies als neuer Nutzungswunsch herausstellen würde. Vermutlich wird die Gemeinde die Neugestaltung der Ortsmitte selbst in die Hand nehmen. Der Grund: Gemeinsam mit dem Nachbarn Helsa kann Nieste ins Dorferneuerungsprogramm des Landes aufgenommen werden. Um die Ortsmitte als Förderprojekt anmelden zu können, müsse die Gemeinde als Investor auftreten, erklärte Paul.

Der Bürgermeister zeigte sich zuversichtlich, dass Mitte 2012 mit den Bauarbeiten im Ortskern begonnen werden kann. Der Abriss des Gasthauses „Zum Niestetal“ werde noch im Sommer beginnen, so Edgar Paul.

Von Thomas Stier

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.