Siegfried Klöver (CDU) tritt nicht mehr zur Kommunalwahl an – Krebsleiden zwingt zum Rückzug

Abschied nach drei Jahrzehnten

Mit Hut und kariertem Schal: So kennen viele Menschen Siegfried Klöver. Der Hut ist auch eine Reminiszenz an sein liebstes Urlaubsziel: Australien. Hier steht der scheidende Gemeindevertreter am neuen Bahnhof Heckershausen. Für den Ausbau der Regiotram setzte sich der Kommunalpolitiker besonders ein. Foto: Schräer

Ahnatal. Der Abschied von der Kommunalpolitik seines Heimatortes ist Siegfried Klöver (CDU) sichtlich schwergefallen. Als am 24. Februar die Ahnataler Gemeindevertretung den Haushalt verabschiedet, auch mit seiner Stimme, sei ihm klar geworden, „dass das definitiv die letzte Sitzung gewesen ist“. Und als Bettina Schröder (SPD), Vorsitzende des Parlaments, ihn besonders verabschiedet, kämpft Klöver an seinem Platz mit den Tränen.

30 Jahre am Stück gehörte der gebürtige Heckershäuser der Gemeindevertretung an. Hat sich eingebracht, „wollte etwas beitragen als Politiker.“ Das gehe nur, wenn man eine Meinung hat und die vor dem politischen Gegner und in der eigenen Fraktion vertritt.

Position bezogen

Siegfried Klöver hat immer Position bezogen, sich ehrenamtlich für Ahnatal eingesetzt in zahllosen Sitzungen, Vorlagen und Anträge beackert und zahllose Gespräche mit Menschen aus dem Ort geführt. Dies hatte Entscheidungen zur Folge, „die nicht nur aus der Opposition heraus gelten konnten, in der es sich politisch eindeutig leichter lebt“.

Letzteres wurde Siegfried Klöver klar, als vor fünf Jahren die SPD ihre Mehrheiten verlor und schließlich mit Michael Aufenanger ein CDU-Kollege Bürgermeister wurde. „Da bekommt man ein völlig anderes Verständnis von der eigenen Rolle, aber auch die der anderen“, sagt der 62-Jährige.

Apropos die anderen. Als er mit der Kommunalpolitik vor 30 Jahren anfing, „war hier politische Eiszeit“. Klöver sorgte mit dafür, dass sich dies änderte. Man nach den Sitzungen über Parteigrenzen hinweg „gemeinsam ein Bier trinken ging“. Seine Entscheidungen für die Infrastruktur Ahnatals mit der Regiotram sind für Klöver die wichtigsten als Mandatsträger.

Ja, die Politik habe ihm Spaß gemacht, sagt der Diplom-Ingenieur im Ruhegstand. Und sie begründete Freundschaften. Ob mit dem ehemaligen Kämmerer Gerhard Kempa, mit Manfred Schröder, seinem Gegenüber als Fraktionschef, oder mit der ehemaligen Hauptamtsleiterin Jutta Bott, mit der er die Liebe zur klassischen Musik teilt – alle drei Sozialdemokraten.

Klar gab es manchen Ärger, auch in seiner CDU. Klöver erinnert an die „Heckenschützen-Aktion“, wegen der er im Mai 2006 als Fraktionschef zurücktrat. Damals hatte einer aus seinen Reihen sich nicht an die Absprachen der CDU mit der SPD gehalten und mit den Grünen gestimmt, sich aber nicht zu erkennen gegeben. Ein solches Verhalten, „das hasse ich“.

Sein Rückzug aus der Kommunalpolitik ist nicht ganz freiwillig. Siegfried Klöver hat Krebs in fortgeschrittenem Stadium. Er hofft auf ein neues Medikament, das ab Sommer auch an ihm getestet werden soll. Und er wünscht sich ausreichende Wählerstimmen, um am 27. März erneut in den Kreistag zu ziehen. Hätte er sich nicht aufstellen lassen, „das wäre die komplette Aufgabe gewesen“. Und die kommt für den Kämpfer Siegfried Klöver nicht infrage.

Von Michael Schräer

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