Interview: Andreas Helbig (Städtische Werke) zur Auswirkung der Prokon-Krise auf die Windkraft-Projekte

Nach der Solarbranche nun auch Windkraft-Riese in Schwierigkeiten

Windpark wächst: Das erste der beiden 196 Meter hohen Windräder (vorn) auf dem Sandershäuser Berg an der A7 bei Niestetal steht. Das zweite soll kommende Woche errichtet werden. Das Windrad im Hintergrund ist eines von drei Anlagen südlich von Uschlag mit 80 Meter Höhe, die sich schon seit vielen Jahren drehen. Foto: Schachtschneider

Kassel/Niestetal. Nach der Solarbranche befindet sich nun mit Prokon auch ein großes Unternehmen der Windkraft-Branche in Schwierigkeiten. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Städtischen Werke, Andreas Helbig, über die Auswirkungen der Prokon-Krise und das Windpark-Projekt Söhrewald/Niestetal:

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Herr Helbig, was würde eine Prokon-Insolvenz bedeuten – würde die ganze Branche ins Trudeln geraten?

Andreas Helbig: Nein, im Gegenteil: Es ist die Chance, dass Anleger erkennen, wer seriös Windkraft-Projekte entwickelt und wo sich seriöse Anlage-Erwartungen und Pachten für Flächen bewegen. Es ist sogar so: Was in den vergangenen Jahren von Prokon angeboten wurde, hat den gesamten Markt verzerrt und unrealistische Erwartungen geweckt. Daher hatten ja zuletzt auch die Verbraucherzentrale Hamburg und die Stiftung Warentest vor einer Anlage bei Prokon gewarnt.

Sie investieren 32 Millionen Euro in den Windpark Söhrewald/Niestetal. Wie finanzieren Sie die Summe?

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Helbig: Wie hoch das Investment genau sein wird, steht erst am Ende des Projektes fest. Die Finanzierung läuft zu 70 Prozent über Banken und zu 30 Prozent über Eigenkapital. Die Beteiligung an der Eigenkapitalfinanzierung werden wir auch Bürgerenergiegenossenschaften und Kommunen aus der Region anbieten. Auch eine Beteiligung von regionalen Firmen ist denkbar. In jedem Fall werden wir selbst mit mindestens 25,1 Prozent beteiligt bleiben und damit unsere langfristige Verbundenheit mit dem Projekt deutlich machen.

Welche Sicherheit bieten Sie?

Helbig: Anders als bei anonymen Projektentwicklern weiß jeder, wo unsere Firmenzentrale ist und wie wir ansprechbar sind. Damit ist unser Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Anlegern deutlich höher als bei anderen.

Prokon hat den Anlegern acht Prozent Rendite versprochen, wie viel stellen die Städtischen Werke Anlegern in Aussicht?

Helbig: Wir sind gerade in der letzten Phase der Berechnungen. In Kürze werden wir den Bürgerenergiegenossenschaften und anderen regionalen Interessenten die Kalkulation vorlegen, die sie für ihre Entscheidung zur Beteiligung benötigen. Klar ist: Wenn Prokon auf den gesamten Anlagezeitraum eine Rendite von acht Prozent verspricht, ist das unseriös. Wenn sich unter günstigen Bedingungen tatsächlich acht Prozent ergeben, kann man sich darüber freuen, aber versprechen kann so etwas niemand. Andererseits ist davon auszugehen, dass Verzinsungen deutlich über den derzeit üblichen gesicherten Verzinsungen von Sparbüchern oder Tagegeldkonten möglich sind.

Wie hoch ist das Risiko für Anleger?

Helbig: Jede Beteiligung an einem Windpark ist eine unternehmerische Beteiligung mit Chancen und Risiken. Niemand kann vorhersehen, wie in den nächsten 20 Jahren der Wind weht. Wir gehen aber davon aus, dass wir mit unseren Beteiligungen ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis anbieten können. Daher bleiben wir ja auch selbst langfristig Anteilseigner. Gleichzeitig sind wir bereit, die Mehrheitsbeteiligung an den Projekten abzugeben. Daher muss niemand fürchten, dass wir hinterher das Projekt zu unseren Gunsten optimieren.

Von Holger Schindler

Riesen-Windräder der Söhre aus der Luft

Sonntag Infotag auf der Windpark-Baustelle 

Wer sich für die gigantischen Rotoren interessiert, kann sich am Sonntag, 19. Januar, in der Zeit von 12 bis 16 Uhr auf der Windpark-Baustelle am Sandershäuser Berg bei Niestetal aus erster Hand informieren lassen. Experten der Betreiberin Städtische Werke Kassel stehen den Besuchern Rede und Antwort.

Die Baustelle kann nicht direkt angefahren werden. Ab dem Solarwerk 3 von SMA im Gewerbegebiet Sandershäuser Berg fahren alle 30 Minuten Pendelbusse zum Veranstaltungsort. Der erste Bus startet um 11.30 Uhr. Autos können auf dem Parkplatz hinter dem Solarwerk abgestellt werden. (ket)

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