44 Konfirmationsjubilare erinnerten sich in Kirchbauna an die Armut der schweren Nachkriegszeit

Acht Schürzen und 50 Pfennig

Gruppenbild auf Kirchentreppe: Die „Eisernen“ Irmgard Reguillo Simon (vorn, v. l.), Martha Bruisch, Ursel Breitenstein, Johanna Griesel, Elisabeth Moeurs, dahinter Hilde Kleinert, Walter Biermann, Martha Bartholmai, Ursula Hohmann und Heinz Siebert mit den übrigen Jubilaren. Foto: Dilling

Baunatal. Teure Geschenke, schicke Kostüme, eine große Feier: Worüber sich Konfirmanden heute freuen, davon konnten ihre Altersgenossen kurz nach Kriegsende nur träumen.

„Zu meiner Konfirmation hat mir meine Oma 50 Pfennig geschenkt, und acht Schürzen habe ich von den Verwandten bekommen. Mein Konfirmationskleid war das umgenähte Verlobungskleid meiner Mutter“, sagt Martha Bruisch aus Hertingshausen. Das war 1946.

Gefahrvolle Jugend

Bruisch gehörte zu den Jubilaren, die am Wochenende in der Wehrkirche Kirchbauna, musikalisch begleitet vom Posaunenchor, Goldene, Diamantene, Eiserne und sogar Kronjuwelen-Konfirmation – die Konfirmation vor 75 Jahren – feierten. Die „Eisernen“, also diejenigen, die 1946 konfirmiert wurden, erinnerten sich später beim Mittagessen an eine bewegte und gefahrvolle Jugendzeit.

Trotz der wachsenden Armut vieler Familien zum Kriegsende hin sei die Konfirmandenzeit schön gewesen, erzählt Bruisch. „Wir haben mit den Staketen von Holzzäunen auf der Straße Schlagball gespielt“, berichtet die 79-Jährige, die später einen Lebensmittelladen in Hertingshausen betrieb und „Kaufmanns Martha“ gerufen wurde.

Bruisch und Walter Biermann, Eiserner Konfirmand aus Altenbauna, erinnern sich an die Fliegerangriffe, während sie und ihre Altersgenossen zum Konfirmationsunterricht nach Kirchbauna gingen. Da habe man sich schnell in einen Graben oder hinter einen Strohballen werfen müssen, erzählen sie.

Die Eiserne Konfirmandin Ursel Breitenstein aus Hertingshausen gehörte zu den Flüchtlingsfamilien, die in dem Dorf gestrandet waren. Mit drei Kindern, ihren Eltern und Großeltern habe sie in einem Zimmer gelebt, berichtet die 79-Jährige. Für viele Konfirmanden begann 1946 sofort der Ernst des Berufslebens. Schüler, die eine Lehrstelle sicher hatten, seien noch vor Ende des Schuljahrs beurlaubt worden, sagt Walter Biermann. Er habe eine Elektrikerlehre begonnen, ein Schulabgangszeugnis habe er nicht bekommen.

44 Konfirmanden feierten ihr Jubiläum. Die älteste Jubilarin war mit 89 Jahren Elfriede Gutternigg, die 1936 konfirmiert wurde und ihre Kronjuwelen-Konfirmation feierte.

Diamantene Konfirmanden (60 Jahre): Martin Funke, Walter Derx, Bernhard Franke, Gerhard Döhne, Lieselotte Freudenstein, Helga Schramm, Karl Freitag, Elisabeth Gruber, Else Hempel, Frieda Möller, Wilhelm Sinning, Martha Gabriel, Anneliese Iffert, Heinz Käse, Elfriede Krug, Kurt Kümmel, Alfred Umbach.

Goldene Konfirmanden (50 Jahre): Manfred Dittmar, Herbert Brethauer, Brigitte Schnell, Erika Wicke, Helga Lattermann, Lisa Funke, Gudrun Kasprowicz, Erna Otto, Gisela Umbach, Herta Wollrath, Erika Dittrich, Elli Erdmann, Ingeburg Krahn, Heinz-Dieter Lange, Herta Ritze, Peter Siebert. (pdi)

Von Peter Dilling

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