In Hessen werden jährlich rund 3000 Tonnen eingesammelt

Achtlos entsorgter Abfall: Die Autobahn als wilde Mülldeponie

Einfach weggeworfen: Gerade die Bereiche um Auf- und Abfahrten nutzt mancher Autofahrer gerne als Müllentsorgungsstelle. Das Foto entstand an der Anschlussstelle Kassel-Nord an der A 7. Foto: Ketteritzsch

Kreis Kassel. Der Schnee entlang der Autobahnen in Stadt und Landkreis ist geschmolzen. Jetzt fällt der Müll rechts und links von Auf- und Abfahrten besonders ins Auge:

Getränkebecher, Pappschachteln und anderer Verpackungsmüll zieren die Banketten. Die Müllmenge ist gigantisch: Rund 3000 Tonnen dieses illegal entsorgten Abfalls muss die Verkehrsbehörde Hessen Mobil an den Autobahnen jährlich wegräumen. Sprecher Horst Sinemus geht für die jetzt im Frühjahr startende Sammelaktion wieder von einem ähnlich hohen Wert aus. Der Umweltgedanke spielt bei einigen Verkehrsteilnehmern wohl nur noch eine geringe Rolle. Auch Hessen Mobil beobachtet, dass wieder mehr Abfälle einfach aus dem Autofenster geworfen werden. „Tendenziell steigt das Müllaufkommen an Hessens Straßen in den vergangenen Jahren leicht an“, sagt Sinemus.

Horst Sinemus

Ende März, Anfang April beginnt Hessen Mobil in Zusammenarbeit mit Fremdfirmen mit der großen Säuberung der Grünstreifen an den Autobahnen auch in unserer Region. „Für die Abfallentsorgung im Bereich der A 7, der A 44 und der A 49 (Streckenreinigung, Parkplatzreinigung und Behälterentleerung) wurden 2015 rund 200.000 Euro ausgegeben“, erläutert Sinemus.

800 Tonnen Abfall wurden einschließlich der legal entsorgten Menge 2015 an den nordhessischen Autobahnen eingesammelt. Wie groß daran der Anteil von illegal entsorgtem Müll ist, kann Sinemus nicht sagen. Dieser Wert werde nicht genau ermittelt.

Der Arbeitsaufwand für die Sammeltrupps ist jedenfalls hoch. Nach Angaben der Behörde wurden 2015 insgesamt 31.000 Stunden landesweit für die Reinigung aufgewandt. „Für 2016 liegt die abschließende Auswertung noch nicht vor. Es sind aber ähnliche Zahlen zu erwarten“, betont der Sprecher.

Umso höher die Verkehrsbelastung auf einer Straße, desto höher ist in der Regel auch das Müllaufkommen. Auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge beeinflusst die Abfallmenge am Straßenrand, denn umso langsamer die Fahrzeuge fahren, desto mehr Müll wird achtlos aus dem Fenster geworfen. Daher seien besonders die Autobahnauf- und -abfahrten besonders verschmutzt, insbesondere kurz nach Autobahntankstellen oder Raststätten“, so Sinemus.

Hessen Mobil ist nicht nur jetzt im Frühjahr in Sachen Müllbeseitigung an den Autobahnen unterwegs. Die Mitarbeiter der Straßenmeistereien seien ganzjährig im Rahmen von Streckenkontrollen im Einsatz, um die Straßen weitgehend vom Müll zu befreien, sagt Sinemus. „Parkplätze sowie WC-Anlagen an den Autobahnen in Nordhessen werden mehrmals - in den Sommermonaten sogar bis zu vier Mal – in der Woche gereinigt. Dies erledigen ebenfalls Fremdfirmen.“ 

Das sagt die Polizei

Wenn sich die Straßenabschnitte im Bereich von Kommunen befinden, müssen die Ordnungsämter die illegale Entsorgung von Müll ahnden, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. In Kassel gebe es dazu eine entsprechende Gefahrenabwehrverordnung. Es werde ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro verhängt. Zu der Zuständigkeit an Autobahnen konnte der Polizeisprecher auf Anfrage keine Auskunft geben.

Hintergrund

Hessen Mobil könne nur immer wieder an das Umweltbewusstsein der Verkehrsteilnehmer appellieren, betont Sprecher Horst Sinemus. Er berichtet davon, dass nicht nur Verpackungen und anderer Restmüll auf den Grünstreifen an den Straßen landen. Auch Möbelstücke und technische Geräte würden auf Rastplätzen abgelagert. Kürzlich hätten beispielsweise seine Mitarbeiter gleich sechs Matratzen auf einer Bankette gefunden. Die 60 Straßenmeistereien von Hessen Mobil säubern die Randbereiche von Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Dazu gehören auch Parkplätze und Rastanlagen. Was die Kehrmaschinen nicht schaffen, wird per Müllzange erledigt. Die Parkplätze werden teilweise mehrmals pro Woche gereinigt.

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