ADAC-Wettbewerb

Nordhessen-Rallye: Landwirte und Anlieger empören sich über Lärm

Kaufungen. "Der Lärm der Rallyefahrzeuge ist unerträglich, wir sind doch hier nicht auf dem Hockenheimring“, sagt Georg Stiens voller Zorn. Direkt am Bullenmaststall des Solarunternehmers bretterten am Samstag die Fahrer der Nordhessen-Rallye vorbei. Vermutlich wird es zum letzten Mal gewesen sein.

Denn Stiens will gerichtlich gegen eine Wiederauflage der Rallye vorgehen. Und auch der austragende Verein, der Kurhessische Motorsportclub Kassel (KMCK) im ADAC, will Konsequenzen ziehen: „Für Kaufungen ist diese Veranstaltung gestorben“, sagte Pressesprecher Orest-Bodo Paul der HNA. Bereits im Vorfeld der Rallye hatte es gehörig Ärger gegeben. Landwirte und Anwohner kritisierten, dass sie nicht vorab informiert wurden. Auch der Gemeindevorstand ging auf Distanz. Die Gemeinde habe „keine Möglichkeit, die Rallye zu verhindern“, hieß es schmallippig im Gemeindeblättchen. Betroffene beantragten daraufhin vor dem Verwaltungsgericht im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung. Doch ohne Erfolg.

„Das Verwaltungsgericht hatte an unserer Genehmigung nichts auszusetzen“, sagte der Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, Michael Conrad. Allerdings wurde den Veranstaltern die Auflage gemacht, den Belangen der landwirtschaftlichen Betriebe Rechnung zu tragen und deren Zufahrten jederzeit offen zu halten.

Dies sei nicht der Fall gewesen, meint Landwirt Wolfhard Nixdorf. Bei ihm rasten die Rallyefahrer mit Tempo 100 sozusagen direkt über das Anwesen. „Das wird ein juristisches Nachspiel haben“, sagt der Bauer, der 250 Rinder im Stall und auf den Weiden stehen hat. Die Tiere seien vollkommen verschreckt gewesen. Eine Gruppe Kälber habe sich durch die heranrasenden Fahrzeuge so erschreckt, dass sie in Panik über die Weide galoppierte und den Zaun niederrannte.

Tiere haben sich verletzt

„Einige Tiere haben sich verletzt, wir mussten die wieder einfangen“, berichtet Nixdorf. Außerdem sei man in der Arbeit massiv beeinträchtigt gewesen. „Wir konnten vier Stunden nicht arbeiten“, sagt Nixdorf. Der Motorsportclub hält dem entgegen, es habe am Renntag keine Probleme gegeben. Ihm sei auch nicht bekannt, dass Tiere ausgebrochen seien, meint Paul. Auf Anforderung habe man den jeweils nächsten Starter angehalten, um Landwirten die Fahrt vom Hof zu ermöglichen. Auch eine von sechs Wertungsprüfungen habe man mit Rücksicht auf Anlieger abgesagt. Nach dem Rennen sei die Strecke sauber gefegt worden. Und die Schäden – bei Stiens wurde ein Rasenstück niedergefahren – werde man ausgleichen.

„Wir wollen nur in Ruhe unseren Motorsport betreiben“, sagt KMCK-Sprecher Paul. Kritik am Rallyesport sei normal, aber derart massiv sei man noch nicht kritisiert worden. „Wir suchen uns eine andere Strecke“, kündigte Paul an.
Von Holger Schindler

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