Einstimmiges Votum

Jetzt ist es amtlich: Hitler nicht mehr Ehrenbürger Helsas

Aberkannt: Am 5. April 1933 wurde Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Helsa ernannt, nun hat die Gemeinde diese Würdigung wieder zurückgenommen. Archivfoto: nh

Helsa. Adolf Hitler ist nicht mehr Ehrenbürger der Gemeinde Helsa. Das Gemeindeparlament hat am Donnerstagabend einstimmig die Ehrenbürgerrechte des nationalsozialistischen Diktators zurückgenommen. Gegenstimmen oder Enthaltungen gab es nicht.

Adolf Hitler war am 5. April 1933 zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt worden. Das hatte der Geschichtsverein Helsa erst kürzlich beim Studium alter Unterlagen herausgefunden. Formal endet die Ehrenbürgerwürde zwar mit dem Tod; mit seinem Beschluss wollte das Parlament aber deutlich machen, dass sich die Gemeinde von nationalsozialistischen Kriegsverbrechern distanziert.

Beschluss der Alliierten 1946

Als höchstpersönliches Recht erlischt die Ehrenbürgerwürde automatisch mit dem Tod des Ehrenbürgers. Für Kriegsverbrecher legte der Alliierte Kontrollrat am 12. Oktober 1946 den Verlust des Ehrenbürgerrechts fest (Direktive 38). Etwa 4000 Städte und Gemeinden in Deutschland hatten Adolf Hitler zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Auch Kassel war darunter.

Die meisten Kommunen haben die Ehrung nach dem Krieg per Beschluss zurückgenommen. In Kassel wurden Hitlers Ehrenrechte 1946 gelöscht. In den übrigen Kommunen im Altkreis Kassel ist Hitler nirgendwo mehr Ehrenbürger. Einige Kommunen in der Region haben sich allerdings erst spät mit dem Thema beschäftigt. So hat Hann. Münden die Ehrenbürgerschaft erst 2008 aberkannt. (hog)

Helsa war in den 20er- und 30er-Jahren eine Hochburg der Nazis im Landkreis Kassel. Der Geschichtsverein wird die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs in einer zum Jahresende erscheinenden Dokumentation ausführlich beleuchten.

Der Gemeindevorstand hatte den Antrag zur Aberkennung erarbeitet und mit den drei Fraktionen im Helsaer Parlament – SPD, CDU und Grün-Linke Liste (GLH) – abgesprochen. Darin heißt es: „Die Großgemeinde Helsa distanziert sich als Rechtsnachfolgerin der Gemeinden Helsa, Eschenstruth, Wickenrode und St. Ottilien ausdrücklich und in aller Schärfe von den seinerzeitigen Beschlüssen, durch die nationalsozialistische Verbrecher zu Ehrenbürgern ernannt wurden.“ Die Gemeinde bekenne sich zur „Verurteilung des verbrecherischen nationalsozialistischen Regimes und seiner Unterstützer“ und sehe es als ihre Pflicht an, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verteidigen.

Eine Aussprache zu dem Thema gab es weder im Ausschuss noch in der Sitzung der Gemeindevertretung. Keiner der Kommunalpolitiker ergriff das Wort.

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Helsa: Hitler ist noch Ehrenbürger

Die früher selbstständige Gemeinde Wickenrode hatte schon 1946 per Beschluss Hitlers Ehrenbürgerwürde aberkannt. Wegen unvollständiger Akten ist nicht klar, ob der NS-tator auch in Eschenstruth und St. Ottilien Ehrenbürger war. Die Ehrenrechte wurden daher nun vorsorglich für Helsa mit allen (früher selbstständigen) Ortsteilen aberkannt.

Fotos: Nazi-Zeit in Helsa - Hitler war Ehrenbürger

Nazi-Zeit in Helsa - Hitler war Ehrenbürger

Auch in den Akten des Kernorts Helsa findet sich der Beschluss über die Ehrenbürgerrechte Hitlers nicht – bei den Protokollen von 1933 sind die entsprechenden Seiten herausgerissen. Ein Hinweis fand sich nur in einer Chronik des nationalsozialistischen Helsaer Propagandaleiters Paul Schuhmayer. (hog)

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