In Niedervellmar werden die Klassen eins und zwei gemeinsam unterrichtet

Von den Älteren lernen

Geben und Nehmen: Diplomsozialpädagogin Diana Wengatz (links) und Klassenlehrerin Nicola Brandenstein betreuen die Schüler der Jahrgänge eins und zwei, die an der Grundschule Niedervellmar gemeinsam unterrichtet werden. Foto:  Rogge-Richter

Vellmar. Die siebenjährige Mailin wurde im vergangenen Sommer eingeschult, Chayenne ist acht Jahre alt und besucht seit 2013 die Grundschule Niedervellmar.

Dass die beiden Mädchen an diesem Vormittag so selbstverständlich im Deutschunterricht nebeneinandersitzen und eifrig große Buchstaben in ihre Hefte malen, ist eine Besonderheit dieser Schule. Denn bereits seit Sommer 2012 werden hier die Schüler der Jahrgänge eins und zwei im Klassenverband gemeinsam unterrichtet.

Flexibler Schulanfang nennt sich das Modell, das auch Mailin gefällt. „Chayenne ist meine Patin. Ich übe mit ihr die Zahlen“, sagt Mailin und lächelt stolz. Nicht nur beim Rechnen hilft Chayenne ihrem Patenkind: Auch zum Beispiel in der Anfangszeit, als ihre jüngere Klassenkameradin den Weg zur Toilette suchte, stand Chayenne Mailin zur Seite. Und umgekehrt: „Indem die älteren Schüler den jüngeren etwas erklären, vertiefen sie ihr Wissen – auch im sozialen Bereich“, sagt Ulrich Meister, der als Klassenlehrer eine der vier Flex-Klassen betreut.

Das bestätigt auch seine Kollegin Nicola Brandenstein. Sie habe bereits vor der Einführung des neuen Modells in Niedervellmar an der Friedrich-Wöhler-Schule in Kassel hospitiert und schnell die Vorteile erkannt: „Kinder starten heute nicht nur mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, sondern auch mit unterschiedlichen sozialen Fähigkeiten in das erste Schuljahr. Wir fördern sie entsprechend ihrem individuellen Entwicklungsstand“, sagt Brandenstein. „So erhalten sie bei uns die Möglichkeit, in ihrem eigenen Tempo, das vielleicht etwas langsamer ist, Neues zu lernen. Genauso bekommen Kinder, deren Entwicklungsstand in bestimmten Bereichen schon weiter ist, hier die Gelegenheit, die Lerninhalte zu bearbeiten, die eigentlich noch nicht für sie vorgesehen wären, die sie aber gern lernen möchten“, erläutert sie. Unterstützung erhalten Schüler und Lehrer von Diana Wengatz.

Die Diplomsozialpädagogin begleitet die Flex-Klassen, betrachtet die ganzheitliche Entwicklung der Kinder und beobachtet unter anderem genau, wie sie den unterschiedlichen Unterrichtsstoff bewältigen. „Ohne die sozialpädagogische Hilfe von Frau Wengatz wäre dieses Modell nicht möglich“, betont Michaela Krumme.

Die Schulleiterin zeigt sich von den Vorteilen des sanften Schuleinstiegs überzeugt: „Die Kinder können nach ihrem jeweiligen Leistungs- und Entwicklungsstand die zusammengefassten Jahrgangsstufen eins und zwei auch in einem oder in drei Jahren durchlaufen. Sie können bei uns nicht sitzenbleiben –auch das nimmt ihnen die Angst und trägt zu ihrem Selbstbewusstsein bei.“

Kontakt: Grundschule Niedervellmar, Telefon: 05 61/9 82 79 50.

Von Sarah Rogge-Richter

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