Ritterschaftliches Stift klagt über rücksichtslose Radfahrer und begrüßt Verschärfung des Gesetzes

Ärger um Rennstrecken im Kaufunger Wald - Tiere geraten in Panik

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Illegaler Querfeldein-Parcours: Thilo von Gilsa (links) und Revierleiter Jürgen Goldmann an einer Sprungschanze im Stiftswald. Hinweisschilder, die auf das Verbot von wilden Trails aufmerksam machen, haben bisher kaum etwas ausrichten können.

Kaufungen/Helsa. Vor allem Mountainbike-Fahrer machen gegen die geplante Verschärfung des hessischen Forstgesetzes mobil. Künftig sollen sie nur noch auf festen Wegen, die ein normaler Pkw auch befahren könnte, durch den Wald radeln dürfen.

Bisher ist das auf jedem Waldweg erlaubt. Das Ritterschaftliche Stift Kaufungen, dem 1600 Hektar Privatwald gehören, begrüßt die geplante Verschärfung. Radfahrer, die zur Erholung durch den Wald fahren, seien im Stiftswald willkommen, sagt Thilo von Gilsa, Obervorsteher des Stifts. Man sehe sich aber zunehmend mit Mountainbikern konfrontiert, die ohne Rücksicht auf Fauna und Flora im Stiftswald ihrem Geländesport nachgehen. „Der Wald ist doch kein Abenteuerspielplatz “, erklärt von Gilsa.

An einem Steilhang im Bereich eines ehemaligen Steinbruchs sind die Spuren solcher Mountainbiker deutlich zu sehen. Revierleiter Jürgen Goldmann deutet auf eine schmale Fahrrinne zwischen den Bäumen, die von Holzverhauen unterbrochen wird. Sogar eine Steilkurve haben die unbekannten Radsportler mit dicken Schottersteinen und verdichtetem Waldboden angelegt.

„Die schaffen sich Parcours mit Hacke und Schaufel. Da müssen wir klare Grenzen setzen können“, sagt von Gilsa. Tatsächlich liegen neben dem wilden Trail noch eine Axt und ein Spaten. Zu fassen seien die Sportler kaum, da sie sich oft spontan im Internet verabredeten.

Ein Absperrband aus Plastik, das Goldmann gespannt hatte, ist zerrissen worden. Auch Schilder mit dem Hinweis, dass ein Querfeldeinfahren im Wald nicht erlaubt sei, schrecke die Extremsportler nicht ab, erzählt der Revierleiter: „Wir haben einen Baum quer über die Strecke gelegt. Den haben sie dann einfach als Sprungschanze genutzt.“

In Diskussionen beriefen sich die Radler darauf, dass sie jede Strecke befahren dürften, die auch nur entfernt nach einem Pfad aussehe. Vorbeirasende Mountainbiker könnten Rotwild, Luchs und Wildkatze in Panik versetzen, sagt Goldmann. Wenn Radsportler über die grünen Lichtungen zwischen den Bäumen fahren, würden sie Rotwild vertreiben, das dort Nahrung findet. Diese Wiesen habe man gerade angelegt, damit sich die Tiere nicht an den Bäumen gütlich tun und Schäden anrichten. Auch Reiter hielten sich gelegentlich nicht an die befestigten Waldwege.

An mehreren Stellen im Stiftswald hätten Mountainbiker begonnen, Trails anzulegen, sagt Goldmann. Dadurch fühle er sich in seinem Eigentumsrecht verletzt, erklärt von Gilsa. Er und Goldmann haben ein gewisses Verständnis für die Radsportler, die ihr Gerät auch austesten wollten. Dann sollten sie sich diese aber lieber bei Kreis und Kommunen für die Ausweisung und den Bau spezieller Parcours einsetzen.

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