Ökostrom ist trotz Zusage nicht zertifiziert

Kaufunger ärgern sich über falsches Ökostrom-Angebot von Eon

Stromvertrag geplatzt: Die Gemeinde Kaufungen sucht einen Lieferanten für die Versorgung der öffentlichen Gebäude in den drei Ortsteilen mit elektrischer Energie. Nun muss das Vergabeverfahren wegen eines fehlerhaften Angebots von Eon Mitte neu aufgerollt werden. Archivfoto: dpa

Kaufungen. Für Verärgerung hat der Stromlieferant Eon Mitte mit einer Offerte gesorgt, die er der Gemeinde Kaufungen unterbreitet hat. In dem Schreiben wurde der Gemeinde Ökostrom mit der Bezeichnung „GoO-Hydro“ angeboten mit dem Hinweis, dass es sich um ein zertifiziertes Öko-Produkt handele.

Dies ist aber, wie sich erst durch Recherchen von Kommunalpolitikern herausstellte, nicht der Fall. „Wir fühlen uns getäuscht, das ist ein bisschen dreist“, sagte Jochen Lody (Grüne) der HNA.

Der Vorsitzende des Energieausschusses der Gemeinde Kaufungen war misstrauisch geworden, weil das Produkt, das auch eine Neuanlagenquote beinhaltet – das heißt, mindestens 30 Prozent der regenerativen Stromquellen dürfen nicht älter als sechs Jahre sein –, günstiger angeboten wurde als herkömmlicher Ökostrom. Lody stimmte im Ausschuss daher als Einziger gegen den Vertrag.

Jochen Lody

Die Kaufunger Grünen recherchierten weiter im Internet und nahmen Kontakt mit dem Freiburger Ökoinstitut auf, dessen Tochterfirma Ok-power die Zertifizierungen vornimmt. Von dort kam bezüglich „GoO-Hydro“ der Bescheid, „dass Eon bisher kein Stromprodukt von uns mit diesem Namen hat zertifizieren lassen und daher auch keines seiner Ökostrom-Angebote damit bewerben darf.“

Mit diesem neuen Kenntnisstand hat das Kaufunger Gemeindeparlament die Entscheidung über die Stromlieferung in seiner Sitzung Anfang Oktober von der Tagesordnung genommen. Nun muss die Gemeinde das Vergabeverfahren neu aufrollen, denn die Preisangebote der zehn angefragten Stromanbieter waren nur bis 12. Oktober gültig.

René Schneider

Eon Mitte teilte auf Nachfrage der HNA mit, dem zuständigen Mitarbeiter sei ein Fehler unterlaufen. „Die Aussage in dem Angebot war falsch. Wir entschuldigen uns in aller Form bei der Gemeinde“, sagte René Schneider als Sprecher von Eon Mitte.

Das Produkt „GoO-Hydro“ sei nicht zertifiziert, sagte Schneider weiter. Man garantiere aber im Vertragsabschluss, dass der zu liefernde Strom die Kriterien der Zertifizierung grundsätzlich erfülle.

Die Gemeinde Kaufungen als Kunde habe die Möglichkeit, das Produkt nach Abschluss des Vertrags auf eigene Kosten zertifizieren zu lassen. Die Kosten dafür lägen vermutlich im vierstelligen Bereich, so der Eon-Mitte-Sprecher. Durch den Herkunftsnachweis werde jede Megawattstunde eindeutig identifiziert, sodass sie nur einmalig verkauft werden könne.

Von Holger Schindler

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