Viele Linien sind am Abend nicht ausgelastet – NVV: Trotzdem wirtschaftlich

Ärger über leere Busse

Manchmal ist sie der einzige Fahrgast im Bus: Gudrun Köll aus Fuldabrück mit Busfahrer Günther Wienecke in der Linie 39. Foto: Habich

Fuldabrück. Wenn Gudrun Köll mit dem Bus vom Einkaufen kommt, hat sie sich schon oft geärgert. Denn wenn sie an der Dennhäuser Straße in Kassel einsteigt und zurück nach Fuldabrück fährt, ist sie häufig der einzige Fahrgast: Trotzdem verkehren auf der Linie 39 die großen Gelenkbusse.

„Da wird unnötig CO2 verpulvert“, empört sich die 75- Jährige. „Man sollte prüfen, ob auf dieser Strecke nicht auch ein kleinerer Bus fahren kann.“ Für die leeren Busse werde zu viel Geld ausgegeben: „Und dafür erhöhen sie jedes Jahr die Fahrpreise.“

Zu große, nicht ausgelastete Busse, die seien ihr auch auf anderen Strecken aufgefallen, vor allem abends und am Wochenende. Zweimal habe sie sich bereits beim Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) beschwert.

In vielen Fällen gebe es eine Erklärung, sagt Sabine Herms, Sprecherin des NVV. Auch mit der Linie 39 verhält es sich so – denn sie fährt mit der Linie 38 im Verbund. „Die Busse, die auf der Linie 39 in Richtung Guxhagen fahren, mögen schlecht ausgelastet sein. Der Bus wechselt aber dort seine Nummer und fährt als Linie 38 zurück in Richtung Kassel. Dann steigen viele Leute ein.“

Deshalb setzt das Verkehrsunternehmen RKH, das die Linien im Auftrag des NVV befährt, je nach Tageszeit Gelenkbusse oder normale Linienbusse ein. Etwa 30 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbrauchen die Standard-Linienbusse, die 70 bis 90 Personen befördern können. Um die 50 Liter verbraucht ein großer Gelenkbus, der auf den Transport von 120 bis 150 Menschen ausgerichtet ist. „Es gibt keine kleineren Einheiten“, sagt Herms, „und zu Stoßzeiten werden die großen Fahrzeuge gebraucht.“

Kleinbusse rechnen sich nicht

Minibusse seien Einzelanfertigungen und deshalb teuer. Sie dennoch für Fahrten stadtauswärts anzuschaffen, sei keine Lösung. Denn dann bräuchte man mehrere Minibusse, um den Bedarf für den Rückweg abzudecken.

Viele kleine Busse statt einem großen – das würde sich aber nicht rechnen: „Wir müssen wirtschaftlich denken“, sagt Herms, „mehr Busse bedeuten auch mehr Fahrer und höhere Personalkosten.“ Ein Bus, der zu Stoßzeiten voll ist, sei außerdem so umweltfreundlich, dass das Leerfahrten ausgleiche.

Trotzdem gibt es eine Alternative zum Bus. Auch auf der Linie 39 ersetzen Anruf-Sammel-Taxis zu bestimmten Zeiten den normalen Linienverkehr. Fahrgäste müssen sich dabei eine halbe Stunde vor der üblichen Abfahrt melden und werden gegen einen Euro Aufschlag mit dem Taxi an der Haltestelle abgeholt.

Gudrun Köll hat von diesem Sammel-Taxi-Service noch nie etwas gehört. Auch das Argument mit den Verbundlinien überzeugt sie nicht: „Die Busse Richtung Stadt sind doch genauso leer.“ DAS SAGT...

Von Irene Habich

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