Eiserne Konfirmation: Ahle Wurscht war damals eine Rarität

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Jubilare: Willi Stiebich (1. Reihe von links), Walter Meile, „Hans“ Scherb, Liss Siebert, Pfarrerin Dorothee Heidtmann, Margot Appel, Elisabeth Schmidt (2. Reihe), Annemarie Ludwig, Hans Dumeier, Anni Kolbe, Bruno Kühn, Christa Freitag (3. Reihe), Luise Dörrbecker, Adam Breitschaft, Hermann Thies (4. Reihe), Günther Schröder, Anneliese Nähler, Elisabeth Siebert und Konrad Momberg.  

Schauenburg. Knapp zwei Jahre nach Kriegsende konnten junge Leute bei ihrrer Konfirmation keine üppige Feier erwarten. „Die Zeiten waren ganz schlecht. Wir waren froh, wenn es genug zu essen gab“, erinnert sich Hans Dumeier.

Der 78-Jährige hatte noch Glück: Sein Opa war Landwirt, und so gab es eine Ahle Wurscht am Konfirmationsabend.

Dumeier gehörte zu den 19 Jubilaren, die am Sonntag in der Elgershäuser Kirche Eisene Konfirmation feierten. Die Jugendlichen von einst haben sich nie aus dem Augen verloren. Seit zwei Jahrzehnten verbindet sie sogar ein Freundeskreis, der sich „Die 47er aus Elgershausen nennt“, Ausflüge unternimmt, fleißig für die Kirchengemeinde und für Katastrophenopfer spendet. Tragisch war nun, dass die Initiatorin des Freundeskreises, Martha Hempel, unmittelbar vor der Eisernen Konfirmation gestorben war.

Während der Jubiläumsfeier nach 65 Jahren war oft Gelegenheit, Jugenderinnerungen auszutauschen. Alle zeigten sich einig, dass Geschenke zur Konfirmation 1947 Mangelware waren. Elisabeth Schmidt erinnert sich an eine Sammeltasse. Außerdem hätten viele ihrer Mitkonfirmanden Reichsmark als Geschenk erhalten. Diese Geld sei bald darauf – wegen der Währungsreform – wertlos geworden.

Anneliese Nähler erzählt von Konfirmationskleidern, die den Müttern gehörten und für ihre Kinder umgeändert und schwarz eingefärbt wurden. Elisabeth Schmidt fällt ein, dass es nur wenig Kuchen gab, weil es an Zucker fehlte. „Wer keinen eigenen Garten oder Hof hatte, bei dem fiel die Konfirmationsfeier bescheiden aus“, sagt Nähler.

Auch der Start ins Berufsleben war für die meisten Konfirmanden steinig. „Es gab kaum Lehrstellen“, sagt Anni Kolbe. Die heute 78-Jährige führte zunächst dem Elgershäuser Pfarrer den Haushalt und fand später Arbeit in einer Fabrik. Viele Mädchen hätten auf Bauernhöfen gearbeitet oder bei der Aufforstung im Wald geholfen, erzählt Nähler, die weiter lernen durfte. Sie besuchte die Mädchenmittelschule in Kassel.

Hans Dumeier hatte Glück. Er ergatterte nach der Konfirmation eine Lehrstelle in einem Kasseler Installationsbetrieb. Danach war er allerdings erstmal arbeitslos. Als es mit dem deutschen Wirtschaftswunder aufwärts ging, fand er eine Stelle bei Henschel in Kassel und wechselte dann ins VW-Werk, wo er als Werkmeister arbeitete.

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