Zwei-Meter-Raubfisch vermutlich seit 20 Jahren im Bühl heimisch

Angler jagen den Riesenwels - erster Versuch scheiterte

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Glücklos beim Nachtangeln: Joachim Wendland (von links), Carsten Siemon, Matthias Siemon, Rainer Oestereich und Erwin Heimhilcher versuchten über mehrere Stunden in der Nacht, den Riesenwels zu fangen.

Ahnatal. Wem gelingt der große Fang? Diese Frage stellen sich derzeit die Angler des Fischerei-Sportvereins Ahnatal. Im Spätsommer 2011 wurde im Bühl zum ersten Mal ein Riesenwels gesichtet. Jetzt, ein Jahr später, machten zwölf Angler Jagd auf den bis zu zwei Meter langen Süßwasserfisch.

Der Welst müsste nach Schätzung von Vereinschef Carsten Siemon 1,80 bis zwei Meter lang, 50 Kilogramm schwer und etwa 20 Jahre alt sein.

Hier geht es zu einem Video über den Wels.

Mit ihren Angeln, die sie mit Fisch - unter anderem mit Brassen - beködert hatten, postierten sie sich in der Nacht zum Sonntag am Ufer des Sees. Denn der Wels ist ein nachtaktives Tier, tagsüber ruht er auf dem Grund des Wassers, erläutert Siemon. „Der Wels frisst kleinere Tiere, aber vor Badegästen zieht er sich zurück.“

Obwohl ein Teil die ganze Nacht durchangelte, mussten die Jäger am Ende aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. Der Riesenwels biss nicht an. Die Sondererlaubnis für das - sonst verbotene - Nachtangeln hatte der Verein als Pächter des Bühls selbst gegeben.

„Der Wels hat mittlerweile ein stattliches Alter erreicht. Es tut allen gut, wenn wir ihn aus dem Bühl holen“, erklärt Vereinsmitglied Peter Schupp. Denn der Riese ist gefräßig, auf seinem Speisezettel stehen Fische jeder Art. „Der Wels frisst fast alles“, weiß Siemon. Darunter leider auch Tiere, die für die Wasserqualität des Bühls wichtig seien. Auch Enten seien durch den Raubfisch gefährdet. Für Menschen bestehe laut Siemon dagegen keine Gefahr - außer der Fisch fühle sich ernsthaft bedroht. „Der Wels ist eigentlich ein Fluchttier. Er frisst kleinere Tiere, aber vor Badegästen zieht er sich zurück.“

Wie der Wels in den Bühl gelangen konnte, weiß keiner genau. Der Vorstandschef des Fischereivereins vermutet, dass er als kleines Tier möglicherweise von einem Gartenteichbesitzer im Bühl ausgesetzt wurde. Der Riesenfisch wird sich jetzt bald auf den Grund des Sees zurückziehen und den Winter fast gänzlich ohne Nahrungsaufnahme verbringen - bis er im Frühling von Neuem aktiv wird. Dann wollen die Angler wieder versuchen, den Koloss an den Haken zu bekommen.

Hintergrund: Größter Südwasserfisch Europas

Der Europäische Wels oder Flusswels ist der größte reine Süßwasserfisch Europas. Regional wird er auch als Waller oder Schaidfisch bezeichnet.

Welse sind stämmige Fische mit langgestrecktem Körper, großem, breitem Kopf und glatter, schleimiger und vollständig schuppenloser Haut. Sie erreichen, abhängig von ihrem Lebensraum, meist Körperlängen von einem bis eineinhalb Metern und dabei ein Gewicht von etwa zehn bis 50 Kilogramm. Da die Tiere zeitlebens weiterwachsen, können sie allerdings auch deutlich größer und schwerer werden.

So könnte der Wels im Bühl aussehen: Der Angler Peter Merkel aus Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) holte im Juni diesen 2,16 Meter langen Wels aus dem Neckar bei Rockenau.

Welse sind vorwiegend nacht- und dämmerungsaktive Raubfische, die sich vonlebenden und toten Fischen, aber auch von Wirbellosen und gelegentlich von kleinen Wasservögeln und Säugetieren ernähren. Ihre Aktivität ist im Jahresverlauf stark von der Temperatur und der Verfügbarkeit von Beutetieren abhängig und erreicht im Frühjahr nach der Winterruhe sowie im Spätherbst nach dem Ablaichen ein Maximum.

Das Verbreitungsgebiet des Welses erstreckt sich von Mittel- und Osteuropa bis Zentralasien. Dabei werden bevorzugt große Flüsse und Seen mit schlammigem Grund besiedelt. (swe)

Von Stefan Wewetzer und Tobias Kisling

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