Streit mit Schaffner

Behinderter Pendler aus ICE-Bistro geworfen

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Ankunft an Gleis 3: Sven Makoschey am ICE 974, mit dem er abends aus Frankfurt nach Kassel-Wilhelmshöhe pendelt und in dem er am 11. November aus dem Bord-Bistro verwiesen wurde. 

Ahnatal. Über Jahre gab es für Sven Makoschey aus Ahnatal keine Probleme im ICE auf der Fahrt von Kassel nach Frankfurt und in Gegenrichtung. Am vergangenen Montag war das anders.  

Da geriet der 45-Jährige im ICE 974 von der Mainmetropole nach Kassel mit einem Mitarbeiter der Bahn und dem gerufenen Zugführer aneinander.

Beide verwiesen den Schwerbehinderten aus dem Bistro, weil dieser nichts verzehrte und er Platz machen sollte für einige Herren, die ihr Feierabendbier tranken. So die Schilderung des Ahnatalers, der in der Verwaltung der Deutschen Bundesbank in Frankfurt arbeitet und täglich mit dem Zug pendelt. Zur Landtagswahl hatte Makoschey für die FDP kandidiert.

Sven Makoschey ist offiziell zu 50 Prozent schwerbehindert, er hat Multiple Sklerose (MS), eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems. Aus diesem Grund setzte er sich während der Zugfahrt nach und von Frankfurt in das Bord-Bistro. Dort seien die Sitze härter, gerader „und ich habe den Eindruck auch ein bisschen höher“, sagt Makoschey. Dies sei wegen seiner Krankheit besser.

Hier gibt es weiter Informationen zum Thema Multiple Sklerose

Zumal im Bord-Bistro der ICE auch mehr Beinfreiheit vor den Sitzen herrsche als im ausgewiesenen Behindertenabteil. Dies unterscheide sich übrigens lediglich durch das Hinweisschild von den anderen Abteilen. Es herrsche dort die gleiche Enge einmal zu den Seiten, aber auch den Reisenden gegenüber. „Mit denen sitzt man Knie an Knie.“

Wegen seiner MS-Erkrankung brauche er auch im Zug etwas Bewegungsfreiheit. Auf den Sitzen im Bistro könne er auch mal den Oberkörper drehen oder auf dem Sitz herunterrutschen, um den Rücken zu strecken. „All das erleichtert mir die Zugfahrten“, sagt der Ahnataler.

Daher setze er sich von montags bis donnerstags ins Bistro. Am Freitag sei der Zug so voll, da versuche er erst gar nicht, dort einen Platz zu bekommen und nutze notgedrungen das Behindertenabteil. Dies war am Montag auf der Rückfahrt von Frankfurt im ICE 947 nicht der Fall.

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Kurz vor Fulda sei er aber des Bistros verwiesen worden. Dem Mitarbeiter habe er wie seit fünf Jahren dessen Kollegen seine Situation und Beweggründe erklärt. „Der Hinweis auf meine Behinderung interessierte ihn aber nicht, sondern er drohte mit dem Zugführer“, sagt Makoschey.

Der Bahnschaffner sei dann auch gekommen. Und habe ihm trotz seiner Erklärungen mitgeteilt, er solle den Platz für eine Männergruppe räumen. „Der Zugführer war sehr unfreundlich, das Wort Bitte ist zu keinem Zeitpunkt gefallen. Ich habe dann klein beigegeben“, sagt der 45-Jährige.

Das Verhalten der beiden Bahn-Angehörigen hält Makoschey für nicht akzeptabel. Schließlich sei er Kunde, zahle als Pendler privat 4090 Euro für seine Bahncard 100. Mit einem Brief hat er sich bei der Bahn AG über deren Mitarbeiter beschwert.

Bahn will Fall prüfen

Sven Makoschey verfasste am vergangenen Dienstag, dem Tag nach dem Vorfall, einen Brief mit seiner Beschwerde über das Verhalten der Bahn-Mitarbeiter im ICE und schickte den Brief an die DB Fernverkehr, Kundendialog nach Bamberg. Bis Freitag erhielt er allerdings keine Antwort.

Auch eine HNA-Anfrage über die Bahn-Pressestelle in Frankfurt brachte bis Redaktionsschluss keine Klärung des Vorfalls. Ein Bahnsprecher teilte per Mail lediglich mit, dass man der Angelegenheit nachgehen werde und nach Rücksprache mit den beteiligten Mitarbeitern Stellung nehmen werde. (mic)

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