Ahnatal: Eltern unterstützen Kita-Streik

Arbeiten sonst nicht zusammen: Die Erzieherinnen Michaela Klenke (links, Kita Heckershausen) und Veronika Hoppe (Kita Weimar) betreuten gestern mit vier weiteren Kolleginnen die Notgruppe.

Ahnatal. Auf dem Flur ist weit und breit kein Kind zu sehen, auch das übliche fröhliche Stimmengewirr hört man nicht: Ungewöhnlich still ist es gestern Morgen in der Kindertagesstätte am Dorfplatz in Heckershausen. Erst ein Blick in die drei Gruppenräume zeigt, dass auch an diesem Morgen Kinder mit kleinen Rucksäcken und Taschen von ihren Eltern kurz vor Arbeitsbeginn hier abgeliefert wurden. Einige unter ihnen mit etwas größerem Gepäck als sonst, da ihre Hausschuhe nicht in einem kleinen Fach im Flur lagern.

Am zweiten Tag des Kita-Streiks in Ahnatal stellt die Einrichtung in Heckershausen die Notgruppe. 40 Kinder aus den Kitas am Kammerberg, in Weimar und Heckershausen haben das Angebot in Anspruch genommen, am Tag davor waren es nur 32. Insgesamt sind gut 250 Kinder bei den drei Ahnataler Einrichtungen angemeldet.

Warum es trotz Notgruppe in Heckershausen verhältnismäßig ruhig zugeht, erklärt Erzieherin Michaela Klenke: „Eigentlich betreuen wir sonst 75 Kinder in unserer Einrichtung.“ Und auch damit ist die Kita, die 95 Plätze hat, noch lange nicht ausgelastet.

Von Notgruppe konnte kaum die Rede sein: Sechs Erzieherinnen und vier Praktikantinnen aus den Einrichtungen aus Heckershausen und Weimar kümmerten sich um die Kinder. „Das ist ein Betreuungsschlüssel, von dem wir sonst nur träumen können“, sagte Ahnatals Bürgermeister Michael Aufenanger.

Tränen habe es am Morgen keine gegeben. „Es lief erstaunlich gut; die Kinder fanden es eher spannend, mal in einen anderen Kindergarten gehen zu können“, sagt Erzieherin Veronika Hoppe aus der Kita in Weimar. Zudem würden die meisten die drei Kitas bereits aus den Sommerferien kennen, sagt Aufenanger. Bis vor drei Jahren gab es eine zentrale Betreuung in den Sommerferien, mittlerweile schließt jede Einrichtung abwechselnd für zwei Wochen. „Die Kinder kommen dann in den anderen Kindergärten unter.“

„Außerdem haben wir versucht, dass alle mit ihren Freunden in eine Gruppe kommen“, sagt Klenke. Als Frühdienst hatte sie die Eltern begrüßt, Kinder aus den anderen Einrichtungen nach ihrem Namen gefragt und ihnen bei der Wahl der Gruppe geholfen. Dabei habe sie bisher nur positive Rückmeldungen von den Eltern erhalten: „Sie unterstützen den Streik.“

Die Region sei dörflich geprägt, da könne man sein Kind auch mal bei Oma oder Opa lassen. „Heutzutage werden die Kinder recht früh verschifft und schlafen bei Bekannten“, sagt Klenke. Dadurch würden sie in solchen Ausnahmesituationen weniger fremdeln.

Beide Erzieherinnen befürworten den Streik, auch wenn sie nicht in der Gewerkschaft sind: „Die Arbeit ist in den letzten Jahren immer mehr geworden.“

Von Gudrun Skupio

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