Den Esel vor der Kutsche: In Ahnatal gibt es den Führerschein dazu

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Auf den Kutschen: Katja Zöller (von links), Elke Herrmann, Sandra Krzyzaniak, Peter Kontze, Iris Mantel, Christina Lohmeier und Marie Kontze mit den Eselgespannen. Ralf Wulke von der VFD bildet sie für den Fahrerpass aus. Fotos: C. Hartung

Ahnatal. Ein besonderes Angebot wartet im Ahnataler Reitzentrum Brückenmühle. Dort kann man mit Eseln einen Kutschenführerschein erwerben.

Esel sind stur, dumm und faul. Auf den Grautieren mit den langen Ohren lasten viele Vorurteile. „Alles Quatsch“, weiß Ralf Wulke. „Esel überlegen sich jeden Schritt ganz genau, sie sind intelligent und sehr arbeitswillig.“

Der Übungsleiter von der Vereinigung der Freizeitreiter (VFD), Ralf Wulke, macht fünf Teilnehmer im Reitsportzentrum Brückenmühle in Ahnatal fit fürs Kutschenfahren. In einem Seminar lernen die „Fahrschüler“, wie man ein Gespann richtig führt und lenkt.

Was nämlich auf den ersten Blick einfach erscheint, erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl. „Man muss spezielle Griffe lernen, damit man beispielsweise Wendungen durchführen kann“, erklärt Wulke. Denn fahren dürfe man nicht nur auf Feldwegen, sondern auch im Straßenverkehr. „Deshalb ist es wichtig, dass man die Kutsche richtig lenken kann. Schließlich muss man ja auf seiner Straßenseite bleiben“, erläutert Wulke.

Intelligent und arbeitswillig: Der Esel eignet sich als Gespanntier vor der Kutsche.

Die achttägige Ausbildung hat es in sich, denn neben dem praktischen Lernen auf der Eselkutsche, für das die Gemeinde auch den Parkplatz bei der Sporthalle zur Verfügung stellt, gehört auch ein großer Theorieteil zum Programm. Begriffe aus der Anatomie müssen gelernt werden, gesetzliche Vorschriften und sogar die Geschichte der Huftiere stehen auf dem Lehrplan.

Obwohl es kein Gesetz gibt, das den Fahrerpass zum Führen der Kutsche vorschreibt, hat sich auch Peter Kontze aus Espenau dafür entschieden, die Ausbildung zu absolvieren. „Man kann so viel falsch machen, wenn man nicht genug über die Tiere und die Griffe weiß“, sagt Kontze, der seit über einem Jahr selbst zwei Esel hält. „Wir wandern immer nur mit den Tieren, aber das lastet sie gar nicht richtig aus“, erklärt er.

Bis zur Fahrerpassprüfung müsse er die Leinenhaltung noch verbessern, weiß Übungsleiter Wulke, der die vier Huftiere, mit denen das Fahren geübt wird, von seinem Eselhof in Nechern mitgebracht hat. „Es ist nicht ganz leicht, immer die richtige Anlehnung zum Tier zu finden. Es darf ja weder zu fest, noch zu locker sein“, erklärt er.

Damit das Eselgespann nicht in unerfahrene Hände kommt, dürfen die Teilnehmer erst am zweiten Tag auf die Kutsche. Vorher üben sie an einem Fahrsimulator das richtige Verlängern und Verkürzen der Leine. Am Prüfungstag musste alles sitzen. Blieb nur zu hoffen, dass die Esel auch im Ernstfall ihren Vorurteilen trotzen.

Von Carolin Hartung

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