Ausnahmen sind möglich

Ahnatal untersagt Einsatz von Pestiziden

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Dieses Bild soll es in Ahnatal bald nicht mehr geben: Landwirte sollen dort künftig keine Pestizide mehr auf den von der Gemeinde verpachteten Acker- und Grünlandflächen einsetzen dürfen.

Ahnatal. Die Ahnataler Gemeindevertretung beschließt erneut, den Einsatz von Pestiziden auf verpachteten Flächen zu untersagen – Ausnahmen sind aber möglich.

Seit zwei Jahren wird in Ahnatal über den Einsatz von Pestiziden auf den von der Gemeinde verpachteten landwirtschaftlichen Flächen diskutiert. Nun hat das Parlament mit den Stimmen von SPD und Grünen erneut einen Beschluss gefasst, der den Einsatz bestimmter Pestizide auf diesen Flächen untersagt. Allerdings soll es Ausnahmeregelungen geben.

Michael Aufenanger

Zur Erinnerung: Mit der Mehrheit von SPD und Grünen beschloss die Gemeindevertretung bereits im Mai 2015, den Einsatz von „Glyphosat und anderer Pestizide“ auf den von der Gemeinde verpachteten landwirtschaftlichen Flächen zu verbieten. Gegen diesen Beschluss hatte Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU) gemäß Paragraf 63 der Hessischen Gemeindeordnung Widerspruch eingelegt, da er das Wohl der Gemeinde gefährdet sah. Auch von den Landwirten gab es viel Kritik. Das Thema wurde an den Ausschuss für Bau, Verkehr und Umwelt überwiesen, dessen Mitglieder sich seitdem mehrmals damit befasst haben. Bei der jetzigen Sitzung wurde der Beschluss aufgehoben.

Herbizide und Insektizide

Die neue Regelung untersagt den Einsatz glyphosathaltiger Herbizide und Insektizide. Genannt werden aber auch Ausnahmen. Die eine betrifft die Lage der verpachteten Grundstücke, die oft verstreut zwischen anderen Flächen der Landwirte liegen. Ist der Verzicht auf die genannten Pestizide nicht praktikabel oder mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden, dann soll der Pächter zwei Möglichkeiten bekommen: Er kann entweder Grundstücke tauschen oder den Verzicht auf den Einsatz der Pestizide auf ein anderes Grundstück übertragen. Die andere Ausnahme betrifft außergewöhnliche Ereignisse, bei denen der Einsatz der genannten Mittel zur Vermeidung von Ernteausfällen erforderlich ist.

Thomas Dittrich-Mohrmann (SPD) warb in der sachlich geführten Debatte für den gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen. Landwirtschaft sei immer Handeln mit und in der Natur. Dabei müsse abgewogen werden zwischen Wirtschaftlichkeit, dem Erhalt von Flora und Fauna und den langfristigen Auswirkungen, etwa beim Einsatz von Giftstoffen. Und Parteikollege Andreas Jordan betonte: „Der Antrag ist kein Angriff auf die Landwirte. Die stehen bei uns hoch im Kurs“. Kritik kam von der CDU, die gegen den Beschluss stimmte, ebenso wie Randolf Wendt (ZiA) und Achim Heuser (LWG).

„Das Insektizidverbot würde die Ahnataler Landwirte ins Mark treffen“, sagte Erhard Heuser (CDU). Ein Flächentausch sei oft nicht möglich und eine Ausnahmeregelung bei außergewöhnlichen Ereignissen zu stellen, würde zu lange dauern. Brunhilde Schmidt (CDU) bemängelte zudem, dass die Landwirte der Gemeinde laut Beschluss jedes Jahr die Anwendungsberichte über die von ihnen eingesetzten Pflanzenschutzmittel vorlegen sollen. Ein Punkt, den auch Bürgermeister Michael Aufenanger kritisierte.

Hintergrund: Umstrittenes Herbizid

Auslöser für den Beschluss der Ahnataler Gemeindevertretung, Pestizide auf Pachtflächen zu verbieten, war das Breitband-Pflanzenschutzmittel (Herbizid) Glyphosat, das seit Jahrzehnten unter anderem in der Landwirtschaft angewendet wird. Es zerstört ausschließlich das Grün von Unkräutern und Pflanzen und wird unter anderem auf stark verunkrauteten Grünflächen eingesetzt, die wieder als Ackerland genutzt werden sollen. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs auslösen zu können. 2015 haben sich acht Bundesländer, darunter Hessen, für weitreichende Anwendungsbeschränkungen dieses Mittels ausgesprochen.

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