Ahnataler Parlament gegen neue Gewerbeflächen

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Platz für Gewerbe: Nordwestlich des bestehenden Gewerbegebietes (links von der Straße) wünscht sich die CDU eine Erweiterung auf der jetzigen Grünfläche (rechts).

Ahnatal. In der Gemeinde Ahnatal wird es absehbar keine weiteren Gewerbeflächen geben. Dies entschied eine Mehrheit aus SPD und Grünen in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung. Damit wurde ein Antrag der CDU abgelehnt, das bestehende Gewerbegebiet am Ortsrand von Weimar Richtung Nordwesten zu erweitern.

Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU) hatte sich für zusätzliche Gewerbeflächen ausgesprochen. Man rede über knapp drei Hektar, die derzeit noch landwirtschaftlich genutzt werden. Gut zwei Drittel, also 22.000 Quadratmeter, würden nach einer Erschließung für Gewerbe zur Verfügung stehen.

Es gehe um eine Grundsatzentscheidung, meinte CDU-Fraktionschef Rüdiger Reedwisch. Das bestehende Gewerbegebiet sei nach über 15 Jahren jetzt voll. „Wir sehen den Bedarf einer Erweiterung.“ Und: „Gewerbe bedeutet Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und möglicherweise neue Bürger, die unsere Einrichtungen nutzen.“ Nordhessen sein ein „boomendes Entwicklungsgebiet, Ahnatal aber nicht“, sagte Reedwisch. Er verwies unter anderem auf die Gemeinde Fuldatal. Die nutze den Schutzschirm des Landes, investiere dennoch in Gewerbeflächen. Und dies getragen von einer SPD-Grünen-Mehrheit.

All diese Argumente überzeugten die Mehrheit in Ahnatal nicht. Der CDU-Antrag sei „ohne ökonomischen Sinn“, meinte Thomas Dittrich-Mohrmann (SPD). Der verwies auf den hohen Schuldenstand der Gemeinde und 20 sanierungsbedürftige Straßen. Das neue Gewerbegebiet koste einen zusätzlichen Millionenbetrag. Außerdem habe eine Umfrage unter Ahnataler Gewerbetreibenden ergeben, dass kein Bedarf an Flächen bestehe. Im Gegenteil, „Alteigentümer finden keine Nachfolger“.

Die Grünen lehnten weiteren Flächenverbrauch ab und sind laut Dr. Volker Olbrich auch dagegen, von außerhalb überörtliches Gewerbe anzuziehen. Zudem seien Einnahmen aus der Gewerbesteuer „keine verlässliche Größe“. Wachsen Bevölkerung und Bebauung, müsste auch mehr Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Olbrich: „Größer gleich reicher stimmt nicht.“

Ahnatal brauche einen gesunden Mix aus Wohnen und Arbeiten, meinte Achim Heuser (LWG). Ohne Einnahmen auch durch Gewerbe, könne man die Infrastruktur nicht erhalten.

Letztlich gehe es um die Frage, „wie entwickeln wir unseren Ort weiter“, meinte der Bürgermeister.

Gewerbe seit Anfang der 90er-Jahre 

Seit Anfang der 90er-Jahre wird auf dem 55.000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet am Ortsrand von Weimar gebaut. Die Fläche füllte sich schleppend. Jetzt ist das Gebiet bis auf ein nicht zu vermarktendes Dreieck belegt. Kosten von 2,3 Mio. Euro stehen Erträge durch Flächenverkauf von 1,7 Mio. Euro gegenüber. 27 Flächen sind mit Gebäuden für Gewerbe und Wohnen belegt. Die Gewerbesteuereinnahmen betrugen 2012 66.000 Euro.

Die Erweiterungsfläche (knapp 30.000 Quadratmeter) soll nach den Plänen des Bürgermeisters schrittweise je nach Nachfrage erschlossen werden. Der Flächenkauf würde rund 15.000 Euro, die gesamte Erschließung 1,6 bis 2,1 Mio. Euro kosten.

Von Michael Schräer

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