Flüsschen soll sauberer werden

Kläranlage macht Probleme: Zustand der Ahne bekommt nur eine Schulnote 4

Belastetes Gewässer: Die Ahne, hier ein Blick von der Brücke Henschelweg in Heckershausen auf das Flüsschen, bekommt mit Ausnahme ihres Oberlaufs im Habichtswald keine gute Note für ihre Wassergüte.

Ahnatal. Für etwa 900.000 Euro will die Gemeinde Ahnatal voraussichtlich ab dem Herbst ihre Kläranlage umbauen und modernisieren. Gute Nachrichten für das Flüsschen Ahne.

Damit soll die nach den Reinigungsprozessen verbleibende Schadstoffbelastung des geklärten Wassers verringert und die Menge des anfallenden Klärschlamms reduziert werden. Denn dessen Entsorgung ist eine teure Angelegenheit.

Für die Ahne, in die die Kläranlage das gereinigte Abwasser einleitet, ist das Umbauprojekt eine gute Nachricht. Denn nur auf den ersten Blick ist die Ahne ein idyllisches Flüsschen: Schon bald wenn sie den Habichtswald verlasse, gehe es mit der Wasserqualität bergab, sagt Jeanette Völker, Vertretungsprofessorin an der Universität Kassel im Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung.

Zustand recht schlecht

Der Zustand der Ahne sei insgesamt mit einer „4“ recht schlecht eingestuft, genauso wie eine Reihe anderer Flüsschen in der Region. Das liege beispielsweise an den zahlreichen Eingriffen des Menschen an dem Flussbett, die die natürliche Reinigungskraft der Ahne schwächten. „Zum Teil ist die Ahne komplett verbaut“, sagt sie. Ihre Studenten haben bei punktuellen Wasseranalysen festgestellt, dass der Grenzwert für Ammonium unterhalb der Kläranlage Heckershausen überschritten wurde, wenn auch nur in einem kleinen Abschnitt.

Kläranlage soll effizienter werden: Bürgermeister Michael Aufenanger (von links), Dr. Jeanette Völker, Mitarbeiter Ralf Hartmann und der technische Betriebsleiter Frederik Maurer diskutierten vor Ort über Abwasserreinigungstechniken und Wasser-Grenzwerte. 

Das liege aber nicht daran, dass die Kläranlage schlecht arbeite, versichert Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU). Die Grenzwerte würden eingehalten. Doch für das Wasser, das die Kläranlage verlässt und für das Wasser, was in der Ahne geführt wird, gelten unterschiedliche gesetzliche Vorschriften. Für den Flusslauf zählen die strengen Grenzwerte der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Dennoch hat die Gemeinde gute Gründe für eine Aufrüstung der Kläranlage: Bei Starkregenereignissen bestehe die Gefahr einer „hydraulischen Überlastung“, sagt der technische Betriebsführer Frederik Maurer. Statt des Baus eines zusätzlichen Beckens wird er der Gemeinde empfehlen, vier vorhandene Becken, in denen die verschiedenen Reinigungsprozesse bisher nacheinander ablaufen, auf das sogenannte SBR-Verfahren umzurüsten. 

Wie Wasser in einer Kläranlage gereinigt wird, haben wir zum Beispiel in Northeim gezeigt:

Alle Reinigungsphasen laufen simultan jeweils in einem Becken ab. „Das ist in etwa so, als hätten wir vier Kläranlagen“, sagt der Bürgermeister. Maurer hat sich zum Ziel gesetzt, wenigsten einen der Grenzwerte von Schadstoffen wie Nitrat oder Phosphat deutlich zu senken. Das würde sich in barer Münze auszahlen. Die Gemeinde muss jährlich 25 000 Euro Abwasserabgabe zahlen, dieser Betrag könnte sinken. Außerdem erwartet Aufenanger einen einmaligen Bonus aus der Abwasserabgabe von 75.000 Euro.

Tauchen extrem: Zur Wartung einer Kläranlage müssen Taucher regelmäßig im Faulturm baden gehen. Ein Job nur für harte Typen - wie etwa hier in Fritzlar:

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