Barrieren in Ahnatal auf der Spur

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Barriere: Stufen, wie hier vor dem Café Klatsch, sind ein schwieriges Hindernis für Menschen im Rollstuhl wie Anneliese Heinel (von links), Markus Budenz und Katja Zöller.

Ahnatal. Zu einer Ortsbegehung für Menschen mit Behinderung hatte jetzt die Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD Ahnatal eingeladen. Ziel des Rundgangs war es herauszufinden, ob sich Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung in Ahnatal ohne Hilfe bewegen können.

„Das ist ein großes Problem, hier parken die Leute oft in den Fußweg rein“, sagt Katja Zöller und deutet vor sich. Vor dem Schreibwarenladen an der Dörnbergstraße in Weimar versperrt ein Wagen den Gehweg. Für Passanten, die zu Fuß unterwegs sind, kein Problem.

Doch wer wie die Behindertenbeauftragten der Gemeinde Ahnatal, Katja Zöller und Markus Budenz, auf den Rollstuhl angewiesen ist, der muss auf die Straße ausweichen, um vorbeizukommen. „Das ist völlig unnötig, weiter unten sind genug Parkplätze“, erklärt Budenz.

Gefunden wurde beim Rundgang beides: problematische Bereiche und positive Beispiele. Schwierigkeiten bereiten laut Zöller Gehwege, die zu eng oder uneben gepflastert sind (wie der Platz vor dem Bahnhof in Weimar).

Verschärft wird das Problem durch kaputte oder abgesackte Pflastersteine. Schwierig ist zudem der oft fehlende barrierefreie Zugang zu Geschäften und Einrichtungen wie etwa dem Café Klatsch.

Positiv bewerteten die Behindertenbeauftragten unter anderem das neue Rathaus und die Gemeindezentren, die alle über eine Behindertentoilette verfügen und zumindest behindertenfreundlich seien, wenn auch nicht in jedem Punkt behindertengerecht.

Zugeparkt: Parkt ein Auto den Gehweg zu, müssen Rollstuhlfahrer wie Markus Budenz auf die Straße ausweichen.

Bei den Gesprächen wurde klar: Den Betroffenen geht es nicht darum, in jedem Fall die optimale Lösung zu erreichen. Oft würde ein bisschen Flexibilität reichen.

Deutlich wurde das am Beispiel des alten Rathauses. Dort finden verschiedene Veranstaltungen statt, die für Rollstuhlfahrer wie Claudia Ditzsch kaum zu erreichen sind. Denn hinein kommt man nur über eine Außentreppe.

Trotzdem steht Ditzsch einem behindertengerechten Umbau kritisch gegenüber. „Warum sollte da ein teurer Lift eingebaut werden, wenn es woanders genug Räume gibt?“, fragte sie und machte den Vorschlag, einen Raum im neuen Rathaus zur Verfügung zu stellen.

„Oft reicht ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, um das Leben für viele Menschen zu erleichtern“, erklärte Zöller.

„Das ist erst eine Bestandsaufnahme. Wir müssen uns jetzt darüber Gedanken machen, wie wir den Ort so gestalten, dass Menschen mit Behinderung gern hier leben“, sagte Günter Börner, Vorsitzender der AG 60plus.

In den kommenden Monaten will die Ahnataler SPD zu weiteren Themen Nachbarschaftsaktionen veranstalten. Laut Stephan Hänes, Vorsitzender des Ortsvereins, wolle man sich im Vorfeld der Kommunalwahl 2016 ein Bild machen, was die Menschen bewegt.

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