Langes Warten auf Breitband

Bei schnellem Internet ist Ahnatal zweigeteilt

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Breitband-Flickenteppich Ahnatal: Heckershausen im Bildvordergrund wird voraussichtlich bis Ende 2019 mit 30 MBit pro Sekunde versorgt sein, ebenso der nördliche Kammerberg in der oberen rechten Bildhälfte.

Ahnatal. In Ahnatal ist die Breitbandversorgung immer noch nicht flächendeckend. In einigen Teilen ist die Internetverbindung sogar katastrophal schlecht.

Die Trennlinie liegt zwischen den Ortsteilen Weimar (mit Kammerberg) und Heckershausen. Während die einen aus dem Vollen schöpfen, müssen die anderen darben. Wird sich das in absehbarer Zeit ändern?

Heckershausen

Tatsächlich ist Heckershausen auf der Landkarte der Internetversorgung immer noch ein „weißer Fleck“, obwohl es der Ortsteil längst nicht mehr sein dürfte. Immerhin profitierte auch Heckershausen 2009 von der Breitbandoffensive des Landes Hessen, woraufhin die Kasseler Firma ACO connect Richtfunkantennen aufbaute.

Doch entspricht das längst nicht mehr dem Standard. „Tatsächlich sind in dem gut 2100 Einwohner zählenden Ortsteil stabil nur 6 MBit pro Sekunde abrufbar“, sagt Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU). Ganz im Osten am Klärwerk kämen sogar nur noch 3 MBit pro Sekunde an – und das, obwohl die ACO dort mit bis zu 50 MBit pro Sekunde wirbt, die Telekom mit 16 MBit pro Sekunde – das aber oft nur in Kombination mit Funk (Hybrid).

Nicht umsonst wird Heckershausen deshalb in den kommenden zwei Jahren von der Bundesförderung profitieren, die bereits Mitte Dezember bewilligt wurde. Es geht um 4,4 Mio. Euro, die auf elf Kommunen mit 23 Ortsteilen im Landkreis Kassel verteilt werden. Heckershausen ist einer dieser Profiteure.

Dieser Ausbau würde immerhin ein Niveau von 30 MBit pro Sekunde garantieren. Das entspricht dem Level und gleichzeitig der Technologie, die derzeit auch die Breitband Nordhessen bei ihrem fast flächigen Ausbau in ganz Nordhessen einsetzt (Glasfaser bis zum Verteilerkasten, die letzte Meile hin zum Haus bleibt Kupfer). In Heckershausen darf die Breitband Nordhessen nicht ausbauen, weil dort schon die ACO aktiv ist.

So liegt nun die Internet-Entwicklung für Heckershausen in den Händen des Landkreises Kassel, denn über ihn lief die Antragstellung zur Bewilligung der Bundesmittel. Diese Mittel werden in etwa dazu ausreichen, um die Hälfte der entstehenden Baukosten abzudecken. Das Land will die Kommunen mit weiteren 36 Prozent unterstützen, doch gibt es hierfür bislang nur eine Förderzusage, die Bewilligung steht noch aus. Den Rest – also 14 Prozent – müsste dann Ahnatal selbst stemmen. „Erst wenn wir die Bewilligung für die Landesmittel haben, können wir mit der EU-weiten Ausschreibung beginnen, die Gelder abrufen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Mit der Ausschreibung entschiede sich dann auch im Herbst 2018, welcher Anbieter mit dem Ausbau beauftragt werde. Dieser müsse dann noch einmal gut ein Jahr lang planen, genehmigen lassen, ausschreiben und bauen. „Ende 2019 wird das schnelle Internet in Heckershausen dann wohl laufen“, sagt Kühlborn. Ob erneut die ACO das Rennen macht, steht in den Sternen. Kühlborn dazu: „Es wird um Glasfaser gehen, nicht mit Richtfunk“.

Weimar

Weimar steht im Vergleich zu Heckershausen gut da – bis auf den nördlichen Kammerberg, der aktuell ebenfalls von der ACO und der Telekom mangelversorgt wird. Doch auch dort wird (genau wie in Heckershausen) die Bundesförderung greifen, sodass es dort bis Ende 2019 mit 30 MBit pro Sekunde ein einigermaßen schnelles Internet geben wird.

Der übrige Teil Weimars wird von der Telekom versorgt. Erst im Oktober 2017 wurde ein neu verlegtes Glasfasernetz in Betrieb genommen. Auch hier reicht das Glasfaserkabel nur bis zu den Verteilerkästen, das letzte Stück hin zu den Haushalten bleibt ein Kupferkabel. Weil die Telekom zusätzlich die sogenannte Vectoring-Technik zur Unterdrückung von Störgeräuschen im Kabel einsetzt, sind Datenraten bis zu 100 MBit pro Sekunde möglich.

Aber: Bislang profitieren davon nur der südliche Kammerberg sowie die Wohnlagen rund um den Dorfkern Weimars – nicht aber der Dorfkern Weimars selbst. Dort sind nach wie vor nur Datenraten von 50 MBit pro Sekunde in Kombination mit Funk (Hybrid) möglich.

Doch will die Telekom auch dort bis zum Jahr 2020 Glasfaserkabel verlegen und die Vectoring-Technik für Datenraten bis zu 100 MBit pro Sekunde einbauen. „Dieser Ausbau im Dorfkern war bis zum Sommer 2017 wegen kartellrechtlicher Gründe noch nicht zulässig“, sagt Telekom-Sprecher George McKinney. „Darum können wir das erst jetzt planen und realisieren“.

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