Bombenangriff von 1944: Andacht in Heckershäuser Kirche

Lebendige Erinnerung: Rolf Mantel (von links), Ingrid Weinbrenner, Manfred Schröder und Erwin Ullrich gehören zum Redaktionsteam der Broschüre „Bomben auf Heckershausen“, die an den Bombenangriff vor 70 Jahren erinnert - mit Zeitzeugenberichten und Hintergrundinformationen. Nach der Andacht waren die 100 gedruckten Exemplare schnell verkauft. Fotos: Schilling

Ahnatal. 120 Menschen haben bei einer Andacht in der Heckershäuser Kirche den Verstorbenen des Bombenangriffs von 1944 gedacht. Vor allem eine Broschüre mit Zeitzeugenberichten weckte Interesse.

Gemeinsam mit ihrer Schwester hat Doris Felber am Montagabend eine brennende Kerze auf den Altar der Heckershäuser Kirche gestellt - zum Gedenken an ihre Großmutter Martha Krebs, die bei dem Bombenangriff auf Heckershausen am 15. Dezember 1944 ums Leben gekommen ist.

Es war nicht die einzige Kerze, die an diesem Abend angezündet wurde. 19 Menschen starben bei dem verheerenden Angriff vor 70 Jahren. Zu ihrem Gedenken hatten der Geschichtsarbeitskreis Spurensicherung Heckershausen und die evangelische Kirchengemeinde von Heckershausen zu einer Andacht eingeladen.

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„Ich bin überrascht, dass so viele Menschen gekommen sind. Auch einige, die nicht mehr im Ort leben sind heute hier“, sagte Erwin Ullrich vom Geschichtsarbeitskreis mit Blick auf die vollbesetzte Kirche. Über 120 Menschen waren der Einladung gefolgt. Viele nutzten zudem nach der Andacht die Möglichkeit, sich im evangelischen Gemeindehaus zu treffen und Erinnerungen auszutauschen.

„Der Angriff gehört zur Geschichte unseres Dorfes“, erklärte Jochen Hupfeld, der gemeinsam mit seiner Frau gekommen war. Er kennt einige von denen, die bei der Andacht Kerzen für ihre verstorbenen Familienmitglieder anzündeten. Doch nicht immer war ihm bewusst, dass die Familien von dem Unglück betroffen waren. „Es war interessant, da einmal die Zusammenhänge zu sehen.“

Auf großes Interesse stieß auch die Broschüre „Bomben auf Heckershausen“, die der Geschichtsarbeitskreis herausgegeben hat. Innerhalb kürzester Zeit waren alle 100 Exemplare verkauft. Für die Broschüre hatten die Mitglieder des Redaktionsteams Zeitzeugenberichte zusammengetragen und Hintergrundinformationen geschrieben. Auch die Geschichte von Hans Bischoff ist darin nachzulesen, der den Bombenangriff wie durch ein Wunder überlebte.

Wurde verschüttet und konnte sich retten: Hans Bischoff.

Das Haus seiner Familie wurde bei dem Bombenangriff völlig zerstört, er selbst mit seiner Mutter und einer weiteren Bewohnerin des Hauses verschüttet. Sie überlebten den Einsturz, doch die beiden Frauen steckten bis zu den Hüften in Trümmern. Der neunjährige Hans hingegen war nicht eingeklemmt.

„Meine Mutter sagte: Hans siehst du den Lichtschein? Da mach dich raus“, erinnerte sich der heute 79-Jährige. „Können sie sich vorstellen, wie einem da zumute ist, wenn man als Kind seine Mutter unter den Trümmern zurücklässt?“ Eine Stunde brauchte er, um aus den Trümmern zu klettern. Sofort kamen Nachbarn zur Hilfe und Stunden später waren auch die beiden Frauen gerettet.

Dieses Glück war Martha Krebs und den 18 anderen Todesopfern nicht beschieden. „Ich bin jetzt 67. Ein Alter, das meine Großmutter nicht erreicht hat“, sagte Doris Felber. Dass sich Menschen auch nach 70 Jahren noch an die Verstorbenen erinnern, ist ihr wichtig. „Es war ein schönes Gefühl, dass ihrer gedacht wurde.“

Info: Wer die Broschüre „Bomben auf Heckershausen“ für fünf Euro kaufen möchte, kann sich an die Gemeindeverwaltung Ahnatal wenden. Bei Bedarf können weitere Exemplare nachgedruckt werden.

Von Meike Schilling

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