Bizarre Züge

Bürgermeisterwahl: Dem Kandidaten passte Ahnatal nicht - SPD-Vorstand "schockiert"

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Stefan Giebel

Ahnatal. Die gescheiterte Kandidatensuche der Ahnataler SPD für die Wahl des Bürgermeisters am 9. November nimmt bizarre Züge an. Und die Einschätzung von Genossen zum aktuellen Zustand ihres Ortsvereins fällt sehr kontrovers aus.

Während die Parteispitze den kurzfristen Rückzug des Bewerbers Dr. Dr. Dr. Stefan Giebel als „unprofessionelles Verhalten“ kritisiert, gibt sich der 39-Jährige aus Bad Emstal am Montag erstaunt. Er habe sich nicht als Bürgermeisterkandidaten für Ahnatal verstanden, sagt er auf Anfrage. Ja, er sei im einem SPD-Pool möglicher Kandidaten und Vorgespräche habe es gegeben, „aber meiner Meinung nach hatten die jemand anderen“.

Giebel, der Leiter des Kriminologischen Dienstes und der Justizvollzugsausbildungsstätte des Landes Thüringen ist, war im Mai SPD-Bürgermeisterkandidat in Homberg. Im ersten Wahlgang kam er mit 14,2 Prozent der Wählerstimmen abgeschlagen auf den dritten Platz und verpasste damit die Stichwahl.

In Homberg habe er „viel gekämpft“, jetzt in Ahnatal erneut anzutreten, würde ihm „gar nicht ins Konzept passen“. Zumal ein erneuter Wahlkampf „zeitlich für mich nicht zu regeln gewesen wäre“, auch weil er beruflich stark eingespannt sei, sagt Giebel.

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Die Ahnataler SPD habe eindeutig mit dem Bad Emstaler gegen Amtsinhaber Michael Aufenanger (CDU) antreten wollen, entgegnet Thomas Dittrich-Mohrmann, Sprecher des Vorstandstrios. Nach ersten Gesprächen im Juni habe sich Giebel vor wenigen Wochen 20 Personen aus erweitertem Vorstand und Fraktion „sehr überzeugend“ vorgestellt. „Da haben wir schon über Inhalte gesprochen.“

Giebel habe seine feste Zusage gegeben und hätte laut Dittrich-Mohrmann genug Zeit gehabt, „in sich zu gehen“. Daher habe ihn „absolut schockiert“, als der Kandidat drei Tage vor der Mitgliederversammlung aus persönlichen Gründen zurückgezogen habe, sagt Dittrich-Mohrmann.

Manfred Schröder

Der sieht seine Partei in Ahnatal aber keineswegs am Boden, „bei soliden 45 Prozent der Wählerstimmen“. Zur Kommunalwahl 2016 werde man die Fraktion erneuern und verjüngen und Perspektiven für die Ahnataler Politik entwickeln. Denn die mache das Parlament, nicht der Bürgermeister, der nur „das gute Erbe der SPD verwaltet“.

Genossen, die weder Vorstand noch Fraktion angehören, sehen den Zustand ihrer Partei in Ahnatal kritisch. Zu spät und ohne Strategie sei der Bürgermeisterwahl angegangen worden. Besonders ältere Genossen wie der ehemalige Fraktionschef Manfred Schröder erschreckt, „dass die Partei so einen Absturz hat“. Ihr Zustand sei kritisch, die Fraktion zeige keine Initiative. „Alles andere ist Schönrederei.“

Von Michael Schräer

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