Diskussion um Pestizide in Ahnatal: Gegner eines Verbots waren in Überzahl

Dr. Jürgen Heß

Ahnatal. Soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den von der Gemeinde Ahnatal verpachteten landwirtschaftlichen Flächen verboten werden oder nicht. Diese Frage wurde auf einer Podiumsdiskussion in Weimar diskutiert.

Das Tauziehen um das von der Gemeindevertretung mit den Stimmen von SPD und Grünen beschlossene Verbot von Pestiziden - Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln - auf den von der Gemeinde verpachteten landwirtschaftlichen Flächen, das Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU) inzwischen einkassiert hat, geht weiter: Während einer offenen Podiumsdiskussion mit etwa 100 Besuchern, zu der die Ahnataler CDU am Montagabend nach Weimar eingeladen hatte, meldeten sich mehrheitlich Gegner des Pestizid-Verbots.

Vor allem bei der Frage, ob das Pflanzenschutzmittel Glyphosat gesundheitsgefährend ist, gingen die Meinungen weit auseinander. Das Mittel, das alles Grün verdorren lässt, steht auf dem Prüfstand, weil die europaweite Zulassung demnächst erneuert werden muss.

Dieter Lübeck

Er sei „beunruhigt“ darüber, dass Glyphosat in der Muttermilch und im Urin nachgewiesen worden sei, sagte Dr. Jürgen Heß, Professor für Ökologischen Pflanzenbau an der Universität Kassel. Die Rewe-Gruppe habe das Mittel bereits aus ihren Regalen genommen. Glyphosat werde von Landwirten eingesetzt, weil es billig sei und ihre Arbeit erleichtere. Zumindest müsse „ein Totspritzen“ zur Sicherung der Ernte“ verboten werden.

Im Gegensatz zu Otto Löwer vom Kreisverband des BUND hatte der Wissenschaftler aber kein Lob für den Gemeindevertreterbeschluss übrig. Freiwillige Vereinbarungen mit den Landwirten seien der bessere Weg, Zwang sei nicht praktikabel.

Dafür erntete Heß Zustimmung vom Ahnataler Landwirt Martin Homburg: „Für uns ist es wichtig, angehört zu werden“, sagte er. Auch Aufenanger schloss sich dieser Sicht an. Ziel müsse sein, den Einsatz von Pestiziden zu begrenzen.

Dr. Torsten Hentsch

Ohne Pflanzenschutzmittel könnten die Landwirte ihre Betriebe nicht wirtschaftlich führen, sagte Ortslandwirt Erhard Heuser. Ackerfuchsschwanz und Herkulesstauden setzten den Bauern in Ahnatal besonders zu. Bei einem Chemie-Verbot müssten sie ihr Pachtland an die Gemeinde zurückgeben.

Schützenhilfe bekam Heuser unter anderem von Dr. Torsten Hentsch, Mitarbeiter eines Pflanzenschutzherstellers. Im Öko-Landbau werde sogar häufiger gespritzt als in der konventionellen, sagte er. Es würden sogar Schwermetalle dafür eingesetzt. Daniel Dietzsch, Weimarer Gärtnereiinhaber, warnte vor „Schwarzmalerei“. Er sagte: „Es stimmt nicht, dass Landwirte hier alles platt machen.“ Dr. Ruben Gödecke von Regierungspräsidium Gießen betonte, Pestizide seien nötig, um Ernteverluste zu vermeiden. Der Einsatz werde bestens kontrolliert. Die Frage, ob Glyphosat krebserregend sei, sei umstritten und nicht bewiesen.

BUND-Vertreter Löwer begrüßte das Ahnataler Pestizid-Verbot. Die Chemie sei für den Rückgang der Arten in Fauna und Flora verantwortlich. Da gab es Zustimmung von Prof. Heß und von Dieter Lübeck aus Heckershausen. „Wo sind denn hier noch Fasane?“, fragte er. (pdi)

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