Tiere aus der Schweiz haben ihr neues Zuhause bezogen

Gerettete Fohlen leben in Ahnatal wieder auf

Ausgelassen: Übermütig tollen die sieben Fohlen auf ihrer Koppel am Fuße des Kammerbergs umher. Fotos: Schilling

Ahnatal. Sie sollten geschlachtet werden, wurden aber von Pferdebesitzern gekauft: Vor einem Monat erreichten die sieben Fohlen aus der Schweiz ihr neues Domizil in Nordhessen.

Wer derzeit am Fuße des Kammerberges spazieren geht und auf die Koppeln der Brückenmühle schaut, dem bietet sich ein anmutiges Bild. Sieben Fohlen tollen dort übermütig herum. Kein ungewöhnlicher Anblick für einen Reitstall. Und doch ist es keine Selbstverständlichkeit. Die Tiere gehören der Schweizer Pferderasse Freiberger an – und sollten geschlachtet werden.

Wie berichtet, hatten sich mehrere Pferdebesitzer, deren Tiere in den Ställen der Brückenmühle stehen, kurzerhand entschlossen, die halbjährigen Fohlen zu kaufen und damit vor dem Schlachter zu bewahren (siehe Hintergrund). „Ich weiß, wir ändern an der Praxis in der Schweiz nichts. Aber es tut gut zu wissen, dass wir zumindest ein paar Pferde retten konnten“, sagt Hartmut Wöhner, der zwei Fohlen gekauft hat.

Bevor die Tiere ihr neues Domizil beziehen konnten, standen einige Behördengänge und viel Arbeit auf dem Programm. So bauten die Fohlenbesitzer mit Unterstützung vieler Helfer innerhalb weniger Tage einen großen Unterstand, der den Pferden Schutz vor Wind und Wetter bietet. „Fast alle vom Hof haben geholfen, beim Bau, mit Essensspenden und vielem anderen“, erklärt die Besitzerin der Brückenmühle, Ilse Auffarth-Zink.

Dank der Unterstützung war alles bereit, als die Fohlen vor vier Wochen ihr neues Zuhause erreichten. Seitdem haben sie ihren Besitzern schon viel Freude gemacht. „Wir sind selber überrascht, was für tolle Tiere das sind. Ausgeglichen, ruhig und neugierig“, erklärt Ilse Auffarth-Zink.

Umso unverständlicher ist für alle, dass die Tiere gezielt gezüchtet und dann geschlachtet werden. „Die Fohlen werden gut prämiert. Sie sind für Reitanfänger geeignet, gehen vor der Kutsche, können als Westernpferde ausgebildet werden. Und solche wertvollen Pferde gehen dann zum Schlachter“, kritisiert Sabine Diete.

Dass die Fohlen neugierig sind, das merkt man, wenn man sich dem Zaun ihres Auslaufs nähert. Schnell kommen sie und lassen sich zutraulich streicheln. „Sie sind nicht nur Menschen gegenüber zutraulich. Auch untereinander sind sie eine tolle Eintracht und total verträglich“, sagt Ilse Auffarth-Zink.

Optimal wäre es aus Sicht der Pferdeliebhaber, wenn die Gruppe zusammenbleiben könnte. Ob das klappt, steht noch nicht fest. Den Besitzern ging es in erster Linie darum, die Tiere zu retten. Nun sollen manche der Fohlen weitervermittelt werden. „Aber damit haben wir keine Eile. Abgeben werden wir sie nur in gute Hände“, sagt Sabine Diete.

Die neuen Besitzer könnten die Fohlen in der Brückenmühle stehen lassen. Hier durchlaufen sie eine Fohlenschule, werden altersgemäß erzogen. So lernen sie etwa am Halfter zu gehen, Hufe zu geben und vieles mehr.

Klaus Schudy will sein Fohlen behalten. Für ihn liegen die Vorteile, ein Pferd bereits als Fohlen zu kaufen, auf der Hand. „Man kann das Pferd von Anfang an an sich binden und sicherstellen, dass es gut ausgebildet wird“, erklärt er.

Dieses Video veröffentlichten die Besitzer

Hintergrund: Zuchtprämie in der Schweiz

In der Schweiz wird die Zucht der Pferderasse Freiberger nach Auskunft der Fohlenbesitzer von der Brückenmühle subventioniert. Damit die einzige ursprüngliche schweizerische Pferderasse nicht ausstirbt, bekommen Züchter vom Land eine Prämie für jedes Fohlen. Dadurch werden jedoch mehr Fohlen gezüchtet, als später vermittelt werden können. Die überzähligen Tiere wandern nach der Weidesaison im Herbst zum Schlachter. Sieben dieser Schlachtfohlen haben jetzt auf der Brückenmühle ein neues Zuhause gefunden. Etwa 2100 Euro haben die Pferdebesitzer pro Fohlen mitsamt Transport und Zoll bezahlt. Die Pferde erreichen eine Schulterhöhe von 1,55 Meter und gelten als familienfreundlich.

Info

Wer sich für eines der Fohlen interessiert, kann sich per E-Mail an Ilse Auffarth-Zink wenden: i.zink@freenet.de

Von Meike Schilling

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