Uhr und Glockenwerk am Henschel-Verwaltungsgebäude instand gesetzt

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Uhr zum Leben erweckt: Das neue Hubwerk sorgt für den Glockenschlag. Geläutet werden kann auch per Hand, wie Elektromeister Helmut Homburg zeigt.

Ahnatal. Zehn vor zehn - diese Zeit zeigte die Uhr am Turm des Henschel-Verwaltungsgebäudes in Heckershausen 40 Jahre lang an. Unbeweglich standen die Zeiger fest auf ihrer Position.

Doch jetzt sind sie wieder in Bewegung geraten und geben zu jeder Minute die richtige Uhrzeit an.

Patrick Wickmann, Inhaber des Gebäudes, ließ die Uhr instand setzen. Mit dem Haus ist er durch seine Familiengeschichte eng verbunden, denn Wickmann ist ein Enkelsohn von Carl Anton Theodor Henschel. „Ich möchte alte Traditionen wieder aufleben lassen“, sagte er. Und weil zu dieser Tradition auch das Glockenwerk im Turm gehört, ist die Uhrzeit im Henschelweg nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Von acht bis 20 Uhr verkündet die Glocke zu jeder vollen Stunde mit ihren Schlägen die Zeit. Eine zweite Glocke, die derzeit noch nicht in Betrieb ist, soll später zur halben Stunde schlagen.

Die zwei Bronzeglocken sind etwa 100 Jahre alt und echte Henschel-Glocken. „Sie haben das gleiche Emblem, das alle Henschel-Glocken haben“, hat Helmut Homburg festgestellt. Der Elektromeister hat die neue Technik installiert, mit der die Uhr jetzt per Funk gesteuert wird. Zudem ist er hinauf zu den Glocken geklettert. Dort hat er Drahtseile befestigt, die von außen einen Hammer gegen die Glocken schlagen lassen. Gezogen werden die Drahtseile von neuen Hubwerken, für die Schlosser Horst Kleinschmidt die Konsolen angefertigt hat. „Das hat alles einwandfrei geklappt“, sagte Homburg. Gekostet hat die Instandsetzung laut Wickmann zwischen 5000 und 6000 Euro.

Von außen sieht man von der modernen Technik nichts. Ziffernblatt und Zeiger sind im Original erhalten geblieben. „Die sind in einem guten Zustand. Darum mussten wir zum Glück nicht nach außen“, erklärte Erwin Ullrich vom Geschichtsarbeitskreis Spurensicherung Heckershausen. Er hat Wickmann bei der Instandsetzung beraten und den Kontakt zur Uhrenfabrik in Regensburg vermittelt, die die Ersatzteile geliefert hat.

Das alte Uhrwerk steht derzeit noch im Glockenturm. An der Wand lehnen die Gewichte und auch das große Pendel ist vorhanden. „Das ist alles noch funktionstüchtig. Man hätte die Uhr aber jeden Tag aufziehen müssen“, erklärte Homburg. Wickmann würde das historische Uhrwerk gern als Dauerleihgabe ausstellen. Doch dazu fehlt derzeit noch der passende Raum.

Hintergrund

1917 erwarb die Firma Henschel ein großes Gelände am östlichen Ortsrand von Heckershausen, um dort eine Schießanlage für Kanonen einzurichten. In diesem Zuge wurden der heutige Henschelweg gebaut und auch das Verwaltungsgebäude errichtet. Das Gelände diente bis zum Ende des Ersten Weltkrieges als Schießstand, von 1919 bis 1934 als Geflügelfarm. Von 1935 bis 1939 baute die Firma Henschel in Heckershausen 21 Doppelhäuser für ihre Arbeiter, sie stehen an der Brandaustraße sowie der Unteren und Oberen Weinbergstraße. Ein Teil des Geländes wurde zu einer Obstplantage.

Während des Zweiten Weltkrieges beherbergte das Verwaltungsgebäude im Erdgeschoss den Kindergarten der Gemeinde. 1945 wurden das Verwaltungsgebäude und die Obstplantage verkauft. Im Erdgeschoss gab es eine Arztpraxis und die oberen Etagen wurden in Wohnungen aufgeteilt. In den Garagen neben dem Gebäude waren zeitweise ein Lebensmittelladen und ein Fliesengeschäft ansässig. Seit dem Jahr 2000 ist das ehemalige Verwaltungsgebäude im Besitz der Familie Wickmann. Patrick Wickmann ist ein Enkelsohn von Carl Anton Theodor Henschel. (pmi)

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