Als 200 Sprengbomben über Heckershausen abgeworfen wurden

Nur noch Trümmer: Beim Bombenangriff vor 70 Jahren wurde als eines von vielen Gebäuden das Haus in der Mittelgasse 3 zerstört. Foto: privat / nh

Ahnatal. Es waren die schlimmsten Minuten des Ahnataler Ortsteils Heckershausen: Am 15. Dezember 1944 um 12.07 Uhr warfen 323 amerikanische Bomber rund 200 Sprengbomben auf das Dorf.

70 Bomben trafen das bebaute Gebiet. Damit waren die Schrecken des Zweiten Weltkriegs endgültig in Heckershausen angekommen. „Spätestens mit dem Angriff bekam der Krieg bei uns Namen und Gesichter“, erinnerte sich Ingrid Weinbrenner, die den Angriff als Vierjährige erlebte.

70 Jahre nach dem verheerenden Angriff hat der Geschichtsarbeitskreis Spurensicherung Heckershausen nun eine Zeitzeugen-Broschüre zu der Bombardierung herausgegeben. Zwölf Mitglieder des Geschichtsarbeitskreises, die den Bombenangriff als Kinder miterlebten, erinnern sich darin an die Ereignisse des verhängnisvollen Tages in der Vorweihnachtszeit. Am Montag, 15. Dezember, wird ab 18 Uhr eine Andacht mit Lesung der Zeitzeugen in der Heckershäuser Kirche stattfinden.

Die 49 Seiten umfassende Broschüre beinhaltet neben 20 Berichten der Zeitzeugen Originaldokumente aus der damaligen Zeit, darunter geheime Bombardierungskarten der alliierten Luftwaffe, Kinder- und Jugendbilder der Autoren, Skizzen der Luftschutzbunker, einen Auszug aus dem Totenbuch der Kirchengemeinde Heckershausen sowie die Namen der damaligen Todesopfer.

Erinnern: Projektleiter Uwe Westphal (von links), Bürgermeister Michael Aufenanger, Ingrid Weinbrenner vom Redaktionsteam, Layouterin Gisela Boll sowie Erwin Ullrich und Manfred Schröder vom Redaktionsteam mit der Broschüre „Bomben auf Heckershausen“. Foto: Kisling

Insgesamt kamen 19 Menschen in Heckershausen am 15. Dezember 1944 ums Leben, darunter vier Kinder und zwei Jugendliche. Martha Elise Krebs war mit 64 Jahren das älteste Opfer, Horst Gödtel verstarb als jüngstes Opfer im Alter von gerade einmal elf Monaten. Vier Gefangene kamen zudem ums Leben, da ihnen der Zutritt zu den Bunkern verboten war.

„Ich kenne kein Dorf in unserem Land, das so ein Schicksal in dem Bombenkrieg erlebt hat. Es war ein Ort ohne Industrie und ohne strategische Bedeutung. Unser Dorf hatte nur einen Nachteil, es liegt westlich von Kassel“, erinnert sich Erwin Ullrich vom Redaktionsteam an den Angriff.

Seitens der Gemeinde wurde das seit September laufende Projekt dankbar aufgegriffen. Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU) würdigte die Arbeit als „Mahnung gegen jede Form von Krieg und Gewalt“. Projektleiter Uwe Westphal vom Amt für Kultur, Jugend und Senioren betonte die Wichtigkeit der Dokumentation: „Für unser Gemeindearchiv und zur Aufarbeitung der Geschichte ist es von Bedeutung, dass Zeitzeugenberichte erhalten bleiben.“

Von Tobias Kisling

Die Broschüre kann beim Geschichtsarbeitskreis Heckershausen oder in der Andacht am 15. Dezember für 5 Euro erworben werden.

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