SPD-Politiker Gerhard Rübenkönig

Kämpfer für den Transrapid: "Das tut einem in der Seele weh"

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Von Kassel nach China: Der Transrapid wird 2002 für den Transport nach Shanghai verladen. Mit dabei: Heinrich Igelbüscher (Vorstand Thyssen Industrie, von links), Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig, Gerhard Rübenkönig und Hendrik Jordan (Betriebsratschef Thyssen-Krupp Werk Kassel).

Ahnatal. Wenn Gerhard Rübenkönig in der Zeitung über die Versteigerung des letzten Transrapids liest, dann kommen viele Erinnerungen hoch. Gute und schlechte. Dass der Magnetschwebezug, der größtenteils in Kassel entwickelt wurde, nun vom Bund an irgend einen Bieter abgegeben werden soll, das stimmt den SPD-Politiker doch ein wenig traurig.

„Das tut einem schon in der Seele weh“, sagt der 74-jährige Ahnataler, der über ein Jahrzehnt als Bundestagsabgeordneter für den Einsatz der Magnettechnik in Deutschland gekämpft hat.

Von 1994 bis Ende 2005 saß Gerhard Rübenkönig im Bundestag. Als Mitglied des Haushaltsausschusses und später als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses hatte er maßgebliche Kontakte zu den Entscheidern über die Zukunft der Verkehrstechnik. Doch gereicht hat das nicht. Zumindest nicht für den Transrapid und dessen Einsatz auf einer Linienstrecke in Deutschland.

Rübenkönig hat heute den Eindruck, dass die Industrie die Magnetbahntechnik selbst nicht so richtig wollte. Die Firma Siemens beispielsweise, die den Zug neben Thyssen Krupp Transrapid in Kassel mit entwickelte, habe später eher auf die herkömmliche Schienentechnik gesetzt. „Die Industrie hat nicht richtig gepowert“, sagt er. „Dabei wäre es die Technologie gewesen, die für den Technologie-Standort Deutschland das Beste gewesen wäre.“

Gerhard Rübenkönig

Gerhard Rübenkönig reiste in die USA. „Da waren sechs Referenzstrecken für den Transrapid geplant.“ Und er hielt den Kontakt nach China, wo es mit der Verbindung von Shanghai zum Flughafen die einzige echte Strecke für den bis zu 500 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszug aus Kassel gibt. Doch ohne eine funktionierende Verbindung in Deutschland, so sagt der SPD-Politiker, hätten die Geldgeber im Ausland kein grünes Licht gegeben. 2010 schließt Thyssen Krupp das Produktionswerk für den Transrapid in Kassel.

Den Unfall des Zuges auf der Teststrecke im Emsland mit 23 Toten am 22. September 2006 stuft Gerhard Rübenkönig jedenfalls nicht als Auslöser für das Aus der Magnettechnik ein. Ein solches Unglück mit einem auf der Strecke vergessenen Werkstattwagen hätte überall passieren können. „Der Unfall hat damit nichts zu tun. Die Technologie ist super und sie ist sicher.“

Der modernste Zug, der TR09, noch im Emsland in einer Halle steht, soll nun von der Bahn versteigert werden. Gerhard Rübenkönig sieht Thyssen Krupp in der Pflicht. „Die sollten den zurückkaufen und ans Technikmuseum in Kassel übergeben.“

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