Gemeinde ist allein auf weiter Flur

Herrenlose Katzen: So bekämpft Ahnatal die unkontrollierte Ausbreitung der Tiere

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In Nachbars Garten: Gerade auf dem Lande sind auch viele verwilderte Hauskatzen unterwegs.

Ahnatal/Kreis Kassel. Herrenlose Katzen sind immer wieder ein Thema in den Rathäusern im Landkreis Kassel. Wie man Herr der Lage werden kann, zeigt die Gemeinde Ahnatal. 

Das Stichwort lautet dabei Katzenschutzverordnung. Diese Verordnung schreibt vor, dass Katzen mit unkontrollierbarem Freigang kastriert und durch einen Mikrochip oder eine Tätowierung gekennzeichnet werden müssen.

Die einzige Kommune im Landkreis Kassel, die die Verordnung bisher erlassen hat, ist Liebenau (Altkreis Hofgeismar). Doch auch in anderen Kommunen war die Verordnung bereits Thema. In Ahnatal zum Beispiel gibt es zwar keine, aber die Gemeinde tut trotzdem etwas gegen die unkontrollierte Ausbreitung der Tiere. Dort gab es in der Vergangenheit Probleme mit herrenlosen Katzen, vor allem im Ortsteil Heckershausen.

Seit November gilt also: Die Kommune übernimmt die Kosten für die Kastration von bis zu 25 Tieren jährlich. „Seitdem hat sich die Lage an dieser Stelle entspannt“, sagt Bürgermeister Michael Aufenanger. Ob es aktuell an keiner anderen Stelle in Ahnatal Probleme mit verwilderten Katzen gibt, „kann ich aber nicht ausschließen“.

Von November bis Ende des Jahres 2017 wurden sieben Tiere auf Kosten der Gemeinde kastriert – fünf Katzen und zwei Kater. Dabei entstanden Kosten von knapp 800 Euro. Die Kastration einer Katze kostet circa 130 Euro, die eines Katers 70 Euro. Da die Gemeinde nur die Kastration zahlt, mit allem Weiteren also nichts zu tun hat, steigen die Kosten auch nicht unkontrolliert. Dieses Jahr wurde noch kein Tier kastriert.

Wie die Kastration freilaufender, herrenloser Katzen organisiert wird, läuft in der Praxis nur über das Engagement von Privatpersonen ab: Bürger nehmen sich des Tieres an, bringen es zum Tierarzt und reichen den Nachweis darüber bei der Gemeinde ein. „Wer eine verwilderte Katze kastrieren lassen will, sollte sich vorher aber an das Ordnungsamt wenden und dort den genauen Ablauf klären“, sagt Aufenanger.

Warum Ende vergangenen Jahres in kurzer Zeit sieben Tiere kastriert wurden und in vier Monaten im Jahr 2018 bisher noch keines, erklärt der Bürgermeister so: „Im vergangenen Jahr haben wir den Beschluss gefasst, weil es punktuell und akut Probleme an einer bestimmten Stelle gab. Als die Sache dann beschlossen war, wurden gleich mehrere Tiere kastriert.“ Bürgermeister Aufenanger sieht den Umgang seiner Gemeinde mit dem Katzenproblem als „eine vernünftige Sache. Wenn sich eine verschärfte Situation dadurch lösen lässt, ist das sinnvoll.“

Auch in Baunatal war zum Beispiel eine mögliche Kastrationspflicht für Katzen im Gespräch. Im Stadtparlament ging es um die Frage, ob es Probleme mit freilaufenden Katzen gebe. „Das war aber damals nicht so und hat sich bis heute auch nicht geändert“, sagt Susanne Bräutigam, Sprecherin der Stadt Baunatal.

In Kassel ist die Verordnung bereits jahrelang Thema: Der ehemalige Bürgermeister Bertram Hilgen hatte sie zwar Ende 2016 wegen rechtlicher Bedenken abgelehnt. Bürgermeister Christian Geselle kündigte aber nun an, dass die Verordnung noch in diesem Jahr kommen soll.

Das sagt der Nabu: „Freigänger bedrohen Vogelbestand“ 

„Der Naturschutzbund (Nabu) befürwortet Katzenschutzverordnungen oder andere Regelungen, die die ungehinderte Vermehrung von Katzen eindämmt“, sagt Manfred Henkel, Vorstandsmitglied des Nabu-Kreisverbandes Kassel. „Zu viele freilaufende Katzen, die sich in der Natur ungehindert bedienen, sind ein Problem.“ Eine entscheidende Rolle spielten nämlich die Vögel, die durch Katzen zu Tode kommen. „Millionen von Vögel werden durch Katzen erbeutet“, sagt Henkel. 

Vögel fänden sowieso schon immer weniger Nahrung, weil es zu wenige Insekten gebe. Dazu kämen Feinde wie zum Beispiel Waschbären und Mader. „Wenn dann noch das Katzenproblem dazu kommt, verschärft sich die Lage zusätzlich.“ Ein weiterer Aspekt: „Wenn sich Katzen unkontrolliert vermehren kann es sein, dass auch dieser Nachwuchs nicht genug Nahrung findet und die Tiere jämmerlich zugrunde gehen.“

Hintergrund: Population steigt sprunghaft an

Der Deutsche Tierschutzbund fordert ebenfalls eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen mit Freigang. Paderborn war 2008 die erste Stadt, die eine entsprechende Vorschrift erlassen hat. „Die zum Teil große Anzahl frei lebender Katzen stellt die Kommunen und Gemeinden vor große Probleme“, heißt es auf der Internetseite des Tierschutzbundes. 

„Sie stammen letztlich alle von Katzen ab, die sich in der Obhut von Menschen befanden und deren Fortpflanzung nicht kontrolliert wurde. Unkastrierte Katzen können sich zwei bis dreimal im Jahr fortpflanzen. Bei vier bis sechs Jungen pro Wurf steigt ihre Zahl schnell sprunghaft an. Das Schicksal dieser Tiere ist ungewiss, nicht selten können sie mangels Futter und Pflege nicht überleben.“

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