Kommentar zum Flüchtlingsheim in Ihringshausen: Ganze Wahrheit sehen

Fuldatal. Teils unhaltbare Zustände herrschen im Flüchtlingsheim in Ihringshausen. Dafür kann man jedoch nicht nur den Landkreis verantwortlich machen, meint HNA-Redakteur Stefan Wewetzer.

Dass eine Medaille immer zwei Seiten hat, ist ein Binsenweisheit. Im Fall des Flüchtlingsheims in Ihringshausen trifft dieses Sprichwort aber in besonderem Maße zu.

Unterstützer der Flüchtlinge und diese selbst mögen zu Recht teils gravierende Mängel am überalterten Gebäude anprangern und mangelnde Betreuung seitens des Kreises beklagen. Aber den Landkreis in Bausch und Bogen zu verdammen und ihm vorzuwerfen, die Bewohner in menschenunwürdigen Verhältnissen leben zu lassen, geht an der Wahrheit vorbei.

Die Unterstützer müssen sich vorwerfen lassen, Fakten teils manipuliert oder einfach nicht nachgeprüft zu haben. Das riesige Loch in einer frisch gestrichenen Wand hat eben nicht der Kreis mit seiner angeblichen Nachlässigkeit zu verantworten, sondern ein angetrunkener Flüchtling, der aus Frust die Wand eingetreten hat. Und dass in manchen Fällen die Notdurft einfach im Flur verrichtet wird, statt die Toilette zu benutzen, und angetrunken auf den Boden uriniert wird, darf auch nicht verschwiegen werden. Auch der Fakt, dass neue Kochherde in der Einrichtung wegen unsachgemäßer Nutzung niemals das Ende der Garantiezeit erreichen und vorher ihren Geist aufgeben, kann dem Landkreis nicht angelastet werden. Dass der Kreis in Ihringshausen seit Längerem keine Familien mehr mit Kindern unterbringt, ist vor diesem Hintergrund mehr als verständlich.

Sicher ist es für Flüchtlinge aus anderen Kulturen nicht immer einfach, sich in der Fremde zurechtzufinden. Sicher mag der Frust über die eigene Situation auch mal in Aggression umschlagen. Die darf aber nicht in sinnlose Zerstörungswut ausarten.

Kontakt zum Autor: swe@hna.de

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