Verbindung nach Frankfurt

Vorfahren von Ahnataler kauften Gasthof von Goethes Großmutter

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Ahnatal. Wolfgang Peters Mutter neigte zu Übertreibungen. Zumindest dachten das ihre Söhne, denen sie gern erzählte, dass sie mit Johann Wolfgang von Goethe durch eine Wäschemangel verwandt seien.

Erst später erfuhren die Kinder, dass ihre Mutter zwar im Scherz etwas übertrieben hatte, aber offenbar ein wahrer Kern hinter ihrem Witz stand.

Denn die Vorfahren seiner Mutter Charlotte Peter (geborene Petsch) hatten 1735 das damals berühmte Gasthaus „Zum Weidenhof“ auf der Zeil in Frankfurt für 19.000 Gulden von Goethes Großmutter Anna Cornelia Goethe erworben. „Der Weidenhof war länger in unserer Hand als in der von Goethes Großvater“, sagt Wolfgang Peter. 26 Jahre lang betrieben die Petschs den Weidenhof, sechs Jahre länger als die Familie Goethe.

Lange hatte Wolfgang Peter, dessen Mutter 2001 verstarb, nicht an die quasi familiären Verbindungen zum Weidenhof gedacht, bis er Anfang Dezember 2017 in der HNA über die Ankündigung zu einer Lesung stolperte. In der Stadtbücherei Vellmar wurde das Buch „Monsieur Göthé. Goethes unbekannter Großvater“ von Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz und Joachim Seng vorgestellt.

Stammreihe der Familie Petsch: In diesem Heft steht, wann Wolfgang Peters Vorfahren den Weidenhof gekauft haben. 

„Was mich überrascht hat, war, dass der Großvater von Goethe laut Vortrag offenbar relativ unbekannt war, und versteckt behandelt wurde“, sagt Peter. Die wenigen historischen Aufzeichnungen, die sein Onkel Hans Petsch zur Geschichte des Weidenhofs zusammengetragen hat, erzählen eine andere Geschichte. „Das was ich hier so habe, zeigt, dass er ganz fröhlich behandelt wurde.“

Ältester Gasthof auf der Zeil

Goethes Großvater Friedrich Georg Göthé war als Schneider und später als Gastwirt des Weidenhofs reich geworden. 1686 ließ er sich in Frankfurt nieder und stattete dort fortan die feine Gesellschaft aus. Früh verwitwet heiratete er 1705 Cornelia Schellhorn, die den Weidenhof mit in die Ehe brachte und den Göthé zum angesehenen Gasthof ausbaute. Der Weidenhof war der älteste Gasthof auf der Zeil in Frankfurt und gehörte spätestens nach der Übernahme durch Friedrich Georg Göthé zu den ersten Hoteladressen der Stadt.

Lange Geschichte: Der Kupferstich von Matthäus Merian d.Ä. aus dem Jahr 1628 zeigt den vermutlichen Vorgängerbau des Weidenhofs in Frankfurt am Main.

„Goethes Großvater war in Frankfurt garantiert bekannt wie ein bunter Hund“, sagt Wofgang Peter. Doch von seinem berühmten Enkel Johann Wolfgang Goethe wurde er zeitlebens praktisch unterschlagen. Umso interessanter für den 83-jährigen Peter, dass nun ein Buch über das Leben von Goethes vergessenem Opa erschienen ist. Denn der Heckershäuser hat selbst ein wenig recherchiert über die Familiengeschichte.

Die Wäschemangel, die noch im Weidenhof stand, als die Familie Petsch ihn kaufte, wollte er sich einmal im Goethe-Haus in Frankfurt anschauen. Doch niemand dort konnte ihm helfen. „Mir wurde gesagt, dass sie vermutlich im Krieg durch Bombenangriffe zerstört wurde. Vieles ging damals verloren“, sagt Peter. Das Buch will er sich nun zulegen, um mehr über die Geschichte des „Monsieur Göthé“ zu erfahren.

Wer war Friedrich Georg Göthe?

Johann Wolfgang von Goethes Großvater war ein höchst erfolgreicher Geschäftsmann. 1657 im thüringischen Artern geboren, wurde Friedrich Georg Göthe – wie der Familienname damals noch geschrieben wurde – Schneidergeselle. Auf seiner zwölfjährigen Wanderschaft kam er auch durch die französische Seidenstadt Lyon und schrieb sich ab diesem Zeitpunkt „Göthé“. 1686 ließ er sich in Frankfurt nieder. 

Mit seiner zweiten Ehefrau Cornelia Schellhorn bekam er einen Sohn, Johann Caspar Göthé, der Vater des später weltberühmten Schriftstellers Johann Wolfgang. Der Vater änderte später seinen Namen in Goethe, weil er sich, als Studierter, offenbar für seine handwerkliche Herkunft schämte.

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