Ahnataler ist in seiner Zeit als Läufer bereits 151 Mal die 42,195 Kilometer gelaufen

Dieter Reich mit 73 im Marathon-Fieber

Ein besonderes Paar Laufschuhe und eine Stufe für jede Erinnerungsmedaille: Dieter Reich hat in seiner Marathon-Karriere einiges vorzuweisen. Foto: Kisling

Ahnatal. 73 Jahre alt ist der Ahnataler Dieter Reich und vor zwei Wochen im fränkischen Saalfeld in die neue Marathonsaison gestartet. Es war sein 151. Lauf über die magische Distanz von 42,195 Kilometern – seit 1994.

„Natürlich muss ich mich bei jedem Marathon quälen. Aber ich quäle mich positiv, habe immer Spaß dabei und wenn die Endorphine im Ziel einsetzen, dann ist es die Mühe wert gewesen“, beschreibt Reich seine Leidenschaft. Alle drei Wochen möchte Reich, der seit Herbst für den FTSV Heckershausen startet, in dieser Saison einen Marathon absolvieren.

Dabei kam der Rentner auf Umwegen zu seiner Passion. Er begann in Oedelsheim mit dem Handballspielen und durchlief die Jugendabteilungen. Mit dem Beginn eines Maschinenbau-Studiums in Kassel wechselte er den Verein und schloss sich Hermania Kassel an. Dort schaffte er es bis in die erste Mannschaft im Feldhandball. Parallel dazu spielte Reich für die Fußballmannschaft der Hermannen. 1972 baute er ein Haus in Weimar und wechselte zu den Fußballern des SVW 06 Ahnatal. Ab 1982 nahm er an den Volksläufen in der Laufserie Nordhessencup teil. Im Handball war er weiter für Hermania aktiv. „Pro Wochenende hatte ich zwei bis drei Spiele oder Wettkämpfe, da habe ich den Grundstein fürs Laufen gelegt“, erinnert sich Reich.

Zum Marathon kam der Ahnataler aber eher zufällig. Ein Freund, der 1994 den Frankfurt Marathon laufen wollte, erkrankte drei Tage vor dem Start. Dieter Reich sprang spontan ein und stand an der Startlinie. Auf ihn warteten 42,195 Kilometer, ohne dass er vorher jemals einen langen Lauf geschweige denn ein systematisches Aufbau-Training betrieben hatte. Trotzdem meisterte er die Königsstrecke des Laufsports in 4:16 Stunden. Ein Jahr später folgte die Teilnahme in Hamburg und Berlin. Reich war vom Marathonfieber infiziert.

Wer so viele Marathons wie Dieter Reich gelaufen ist, hat unweigerlich eine ganze Sammlung an Pokalen und Medaillen. Der 73-Jährige hat sich zur Würdigung dieser Erinnerungsstücke etwas Besonderes einfallen lassen: An jeder Treppenstufe in seinem Haus hängen die Medaillen aus einem Jahr. Dazwischen baumeln ein Paar Saucony Taya. „Mit diesen Schuhen bin ich 53 Marathons gelaufen, habe also 2236 Kilometer zurückgelegt“, erklärt Reich.

Am Samstag steht der nächste Lauf an. Dann packt Reich seinen VW-Bus und begibt sich zum Kyffhäuser Bergmarathon. Eigentlich ist Reich kein Bergläufer. Aber er sucht sich immer neue Läufe, bei denen er noch nicht gestartet ist. Da wird das Streckenprofil mittlerweile zwangsläufig welliger. Eine Ausnahme bildet Köln. Dort wird Reich in diesem Jahr das 20. Mal an den Start gehen und damit in den Jubilee-Club des Marathons aufgenommen werden.

Zunächst wird am Samstag aber eine weitere Medaille für seine Treppe hinzukommen. Mittlerweile ist Reich bei der letzten Stufe angelangt. Ein Ende der Karriere bedeutet dies aber nicht: „Solange ich Freude daran habe, werde ich weiterlaufen.“ Zur Not wird eben die Treppe erweitert.

Von Tobias Kisling

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