20 Hektar Fläche betroffen

Pestizid-Verbot auf Gemeindeflächen verärgert Landwirte

Hat auch die Umwelt im Blick: Landwirt Martin Homburg hat neben einem seiner Äcker einen Blühstreifen angelegt. Foto: Dilling

Ahnatal. Die Gemeinde Ahnatal will künftig auf ihren verpachteten Flächen keine chemischen Pflanzenschutzmittel dulden.

Diese Entscheidung der Gemeindevertretung verärgert die Landwirte. Der Beschluss in der Gemeindevertretung war relativ schnell gefasst, doch der Aufruhr danach dürfte erhebliche Zeit andauern: Die mit der Mehrheit von SPD und Grünen im Kommunalparlament durchgesetzte Entscheidung, künftig keinen Einsatz von chemischen Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, sogenannten Pestiziden, auf den von der Gemeinde verpachteten Acker- und Grünlandflächen mehr zu dulden, hat Landwirte aufgebracht. Betroffen sind laut Bürgermeister Michael Aufenanger eine Fläche von 20 Hektar und zehn Landwirte.

„Ein Schwachsinnsbeschluss“, urteilt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Landwirte mit konventionellem Ackerbau seien auf die Verwendung von Pestiziden angewiesen, um ihren Betrieb wirtschaftlich führen zu können. Das Verbot habe zur Folge, dass „nur noch ökologisch wirtschaftende Landwirte, also Biobauern, existieren können“, sagt er.

Pestizide würden außerdem nur eingesetzt, wenn andere Pflanzenschutzmaßnahmen auf den Äckern nicht ausreichend seien. Darüber hinaus benötige jeder Landwirt einen Sachkundenachweis, wenn er solche Mittel einsetzen wolle.

Der Ahnataler Ortslandwirt Erhard Heuser hat den Unmut der betroffenen Landwirte nach eigenen Worten schon zu spüren bekommen. „Das ist ein ganz unüberlegter Beschluss“, sagt er. Er widerspricht der Aussage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Dittrich- Mohrmann. Dieser hatte auf Nachfrage der HNA erklärt, die Auswirkungen des Verbots seien eher gering, da es sich ganz überwiegend um Grünland handele. „Es geht mehr um ein Signal an die Bürger“, erklärte er. Heuser schätzt dagegen, dass allein sieben Hektar Ackerland in Heckershausen betroffen sein könnten.

Erschwerend komme hinzu, dass diese Gemeindeflächen überall auf den Äckern verteilt zu finden seien. Das erschwere die Bewirtschaftung insgesamt und treffe ganz besonders die Nebenerwerbslandwirte. Einige hätten ihm gesagt, sie würden diese Flächen brachliegen lassen, wenn das Verbot tatsächlich umgesetzt werde.

Das ist auch die Sorge von Aufenanger, der momentan die Umsetzung des Beschlusses prüft.

Der Landwirt Martin Homburg, der auch betroffen ist, wirbt für einen sachlichen Dialog: „Ich wünschte mir, dass durch den Austausch von Fachinformationen die Leistungen der Ahnataler Landwirte für den Naturschutz anerkannt und weitere Regelungen mit den Betroffenen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. Es gibt positive Erfahrungen der Zusammenarbeit mit Umweltschützern, die nicht durch Verbote gefährdet werden sollten, die weder ökologisch, ökonomisch noch soziologisch zukunftsfähig sind“, sagte er.

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