G & G aus Ahnatal unterstützt Aktion

Pflegeverband provoziert mit Plakat: Sind Abrechnungen im Vergleich zu anderen Branchen ungerecht?

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Wollen sensibilisieren: Helena Scaglione (stellvertretende Pflegedienstleitung), Geschäftsführerin Marion Gnidtke und Pflegedienstleiterin Martina Wenzel (von links) vom G&G Pflegedienst mit dem Plakat, das derzeit für heiße Diskussionen sorgt. 

Ahnatal. Kann man Menschen mit Autos vergleichen? Das ist eine von vielen Fragen, die derzeit auf der Facebook-Seite des Ahnataler Pflegedienstes G & G kontrovers diskutiert werden.

Geschäftsführerin Marion Gnidtke hatte dort kürzlich ein Plakat des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) gepostet. Ein Eintrag, den mittlerweile schon fast 50.000 Menschen angeschaut haben.

Unter der Überschrift „Was ist die Pflege in Hessen der Gesellschaft wert?“ vergleicht der Verband Preise in der Pflege mit denen in anderen Branchen. So ist zum Beispiel zu lesen, dass ein Verbandswechsel inklusive Wundkontrolle mit 6,54 Euro berechnet werde. Der Wechsel einer Auto-Glühlampe samt Funktionsprüfung koste hingegen 40 Euro.

„Natürlich ist das provokant“, sagt Gnidtke über die Plakataktion. „Aber so erlangen wir die Aufmerksamkeit, die wir uns für das Thema wünschen und können die Menschen dafür sensibilisieren.“ Mit der Gegenüberstellung wollen die Pflegedienste zeigen, was in der Pflege im Vergleich zu anderen Branchen berechnet wird. Dass dafür besonders oft der Vergleich zur Automobilindustrie gezogen wird, das ist kein Zufall. Schließlich sei das Auto „des Menschen liebstes Kind“, sagt Gnidtke.

Aufmerksamkeit erlangen

Sie gehört dem Vorstand der hessischen Landesgruppe des BPA an, die diese Plakat-Kampagne in Hessen organisiert hat. In Niedersachsen ist die Aktion in der Vergangenheit bereits gelaufen. Dass es in allen Bundesländern unterschiedliche Preise in der Pflege gibt, ist ein weiterer Punkt, den Marion Gnidtke kritisiert. Und diese Preise würden nicht durch den Wettbewerb bestimmt, sondern von den Kostenträgern. „Viele wissen gar nicht, dass wir unsere Preise nicht selbst festlegen dürfen, sondern mit den Kostenträgern, den Kassen und Sozialämtern, verhandeln müssen.“

Bei der Plakat-Kampagne soll es nicht bleiben. Weitere Aktionen stimmt die BPA-Landesgruppe derzeit ab. Mit Politikern aus der Region hat Gnidtke bereits Kontakt aufgenommen, um vor der anstehenden Bundestagswahl für die Anliegen der sozialen Dienste zu werben.

„Ich wünsche mir Verhandlungen auf Augenhöhe mit den Kostenträgern um angemessene Preise“, sagt sie – auch mit Blick auf die Mitarbeiter. Die Pflegekräfte seien hochqualifiziert und leisteten eine wichtige Arbeit für die Gesellschaft. Das müsse sich auch in angemessenen Preisen für ihre Arbeit ausdrücken. „Wir haben kein Problem damit, unsere Mitarbeiter angemessen zu bezahlen. Doch das müssen wir auch von den Kostenträgern vergütet bekommen“, fordert Gnidtke.

Hintergrund: Das steht auf dem Plakat

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) klagt, dass Pflegedienste zu wenig Geld für ihre Leistungen bekommen – und vergleicht die Pflege mit anderen Branchen. Die HNA dokumentiert das BPA-Plakat:

Demnach dürfen Pflegedienste wie folgt abrechen:
• Anfahrt: 5,76 Euro
• Verbandswechsel inklusive Wundkontrolle: 6,54 Euro
• Katheterwechsel: 7,75 Euro
• beim Aufstehen aus dem Bett helfen: 6,72 Euro
• Beratungsgespräch: 23 Euro
• Körperpflege mit Duschen und Zähne putzen: 20,57 Euro

Und so sehen die Rechnungen in anderen Branchen aus:
• Anfahrtspauschale eines Handwerkers: 35 Euro
• Auto-Glühlampenwechsel inkl. Funktionsprüfung: 40 Euro
• Ölwechsel: 29 Euro
• Umzugskisten transportieren (pro Quadratmeter): 25 Euro
• Beratungsgespräch bei einem Anwalt: bis zu 249,50 Euro
• Autowäsche mit Innenreinigung: 28 Euro

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