Schlachttermin stand schon fest

Sieben Fohlen vor Tod gerettet: Brückenmühle in Ahnatal gibt Tieren ein Zuhause

Bekommt bald Gesellschaft von Freiberger Fohlen: Momentan sind auf der Brückenmühle 45 Pferde untergebracht, unter ihnen ist ein Fohlen der Rasse Appaloosa (vorn). Dessen Fellfarbe ändert sich, je älter es wird. Die Freiberger Fohlen, die Mitte November nach Ahnatal kommen, sind in etwa so groß wie das Fohlen auf dem Bild.  Foto: Wüstefeld

Ahnatal. In der Schweiz wird die Züchtung der Schweizer Pferderasse Freiberger prämiert. Weil es aber an Platz fehlt, kommen die Tiere zum Schlachthof. Die Brückenmühle in Ahnatal hat jetzt sieben solcher Schlachtfohlen gerettet.

Sieben Fohlen aus der Schweiz finden ab Mitte November auf der Brückenmühle in Ahnatal ein neues Zuhause. In ihrer Heimat wären sie teilweise noch in diesem Monat geschlachtet worden, weil ihre Züchter keinen Platz für sie haben. Für einige Pferdebesitzer, deren Tiere in den Ställen der Brückenmühle untergebracht sind, war das nicht hinnehmbar: Innerhalb von drei Tagen entschieden sie sich, sieben der halbjährigen Schlachtfohlen zu kaufen.

Dass es die gibt, hängt für die Besitzerin der Brückenmühle mit der Subventionspolitik im Nachbarland zusammen. Damit die einzige schweizerische Pferderasse, die Freiberger, nicht aussterben, fördert das Land jede Geburt eines Freiberger Fohlens. Was danach mit den Tieren passiert, kümmere die Politik nicht: „Das führt dazu, dass zwar viele Fohlen gezüchtet werden, die Besitzer diese aber nicht alle verkaufen können und selbst überhaupt keinen Platz für die vielen Tiere haben.“ Nach der Weidesaison im Herbst wandern sie so nicht in den Stall, sondern auf die Schlachtbank: „Dafür bekommen die Züchter erneut Geld“, erklärt ein Pferdebesitzer, der sich ab Mitte November gleich um zwei Freiberger Fohlen kümmert.

Bei ihm und den anderen fünf, die ein Fohlen kauften, war nach Bekanntwerden des Vorgehens in der Schweiz schnell die Idee geboren, zumindest einigen Tieren ihr „schreckliches Schicksal“ zu ersparen, wie die Besitzerin der Brückenmühle sagt: „Wir wissen, dass es nur ein Zeichen ist, aber immerhin setzen wir eins.“ Und so wurden die Fohlen gekauft, die als nächstes geschlachtet werden sollten: „Einer wäre am Freitag dran gewesen.“

Informationen zu den Schlachtfohlen: 

www.for-animals.de
oder unter
www.komet-network.de

Auf der Brückenmühle wird den halbjährigen Tieren, die in der Schweiz alle auf einer Schau vorgestellt worden und somit gesund sind, jetzt das Leben neu geschenkt. Zwar laufen die Vorbereitungen für einen Stallbau noch, an Zuwendung wird es den Tieren aber nicht fehlen: „Neben dem Besitzer hat sich für jedes der Freiberger Fohlen auch ein Pate gefunden, zudem haben viele weitere Helfer ihre Unterstützung angekündigt.“ Denn mit dem Kauf und dem Transport - beides kostet pro Fohlen bis zu 2000 Euro - , ist es nicht getan: „Genau wie andere Tiere müssen diese ja auch gepflegt und versorgt werden.“ Zudem durchlaufen sie auf der Brückenmühle eine Fohlenschule.

Geld könne man mit den jungen Pferden, die später eine Schulterhöhe von 1,55 Meter erreichen und als familienfreundlich gelten, nicht machen: „Es ist die Liebe zu den Tieren, die uns zum Handeln bewegt haben“, sind sich die erfahrenen Pferdebesitzer einig, die dem Termin Mitte November schon aufgeregt entgegenfiebern.

Von Constanze Wüstefeld 

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